Unileben, Unstimmigkeiten und „Used-Look“

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Ein ½es Jahr, 6 Monate, 181 Tage. So lange bin ich nun schon in diesem kleinen Land, das bei uns in Europa trotz der gemeinsamen historischen Vergangenheit so unbekannt ist. Das Leben hier geht ruhig weiter und auch vom letzten Monat gibt es wieder einiges zu erzählen.

Am Wochenende vom 14. – 16.03. fand dann auf dem Universitätsgelände das Forum Universitaire statt. Bei dieser „Karrieremesse“ stellten sich verschiedene Hochschulen und Institutionen vor. Der mit Abstand größte Stand dort wurde von der deutschen Seite gestellt. Goethe-Institut, DAAD, Friedrich-Ebert-Stiftung, die deutsche Botschaft und weitere zeigten hier, dass Togo in Deutschland nicht ganz vergessen wurde. Chiara und ich halfen, mal mehr, mal weniger gemeinsam mit 3 anderen Freiwilligen dabei ein bisschen Leben in den Stand zu bringen und Leute anzulocken. Es wurde gesungen und gespielt. Auf das Unigelände fuhren wir gemeinsam mit Chiaras Gastbruder Jacques mit dem Bus. Dieses moderne Gefährt chinesischer Herkunft ließ mich für die Dauer der Fahrt vergessen, dass ich in Togo bin und versetzte mich in das Gefühl der vielen damals alltäglichen Fahrten mit dem VVS (Verkehrsverbund Stuttgart) in Deutschland. Nur der Preis lag deutlich unter dem baden-württembergischen Niveau.

Sonst war die Arbeit im letzten Monat deutlich geprägt von unserem neuen Projekt über das ihr sehr bald mehr erfahren werdet. Unsere Arbeit, im Moment meist mit Photoshop, geht leider nicht so schnell voran, da Chiaras Laptop kaputt ist und sich mittlerweile auch wieder in Deutschland befindet. So müssen wir immer gut koordinieren, wer meinen Laptop nutzt und Prioritäten setzen welche Arbeitsschritte wichtiger sind. Doch wir kommen voran und können euch hoffentlich bald mit Infos überhäufen. Immerhin: Unser hiesiger Arbeitgeber, der Verein “ Hoffnung für die Jugend“ hat jetzt ein eigenes Logo, dass sich auf der eigenen facebook-Seite bestaunen lässt ( https://www.facebook.com/pages/Hoffnung-f%C3%BCr-die-Jugend-Espoir-pour-la-jeunesse/138327553003575?ref=ts&fref=ts ),

Eine weitere Einschränkung für das Vorwärtskommen ist leider die Tatsache, das der Konflikt mit meiner Gastmutter wieder neu aufgeflammt ist und das Chiara nun nicht mehr zu mir nach Hause kommen darf. Dadurch muss ich meinen Laptop immer in andere Gegenden Lomés tragen und wir sind auf die Öffnungszeiten der Bibliothek des Goethe-Instituts angewiesen oder treffen uns bei Chiara zu Hause. Auch dieses Mal sprach meine Gastmutter natürlich nicht mit mir und Chiara, sondern wir erfuhren alles durch andere Familienmitglieder. Die Tatsache, dass ich jetzt, wenn ich zuhause bin immer alleine bin, da eigentlich nur noch Kossi zu mir kommen kann, gefällt mir rein gar nicht. So halte ich mich zur Zeit nur noch so wenig wie möglich zuhause auf. Mit unserem Mentor habe ich mich darauf geeinigt, dass ich umziehen werde, sobald eine andere Familie für mich gefunden wurde, da ich dieses einsame Leben hier nicht für die restliche Zeit ertragen möchte und es auch für den Haussegen besser ist, wenn die Familie wieder in alte Verhältnisse zurückkehren kann.

 

Leider wurde wohl nicht darüber nachgedacht, was es bedeutet für lange Zeit einen Gast aus einer anderen Kultur bei sich im Hause zu haben, bevor ich ankam und auch wenn ich versuche so gut es geht mit den Menschen in Togo in ihrer Kultur zu leben, so gibt es doch Dinge, die mir wichtig sind und dazu gehört ganz besonders der Kontakt zu meinen Freunden. Zu einem Austausch, der unser Freiwilligendienst hier ja in gewisser Weise ist, gehört gegenseitig von der Kultur des Anderen zu lernen und zu erfahren und vor allem ist es eben Geben und Nehmen. So muss einem, bevor man sich auf so eine Erfahrung einlässt klar sein, das jeder in seiner Kultur aufgewachsen ist und das man diese Kultur, diese Lebenserfahrungen und Werte auch nicht automatisch hinter sich lässt, weil man in einem anderen Land aus dem Flugzeug steigt.

 

In der Woche vor Ostern hatten alle Schüler in Togo eine Woche Ferien. Wir nutzten diese Zeit für unsere Arbeit. Am Ostersamstag bemalten wir gemeinsam mit Chiaras Gastgeschwistern ein paar Eier und setzten dies dann am Abend bei Tonton fort. Dort machten wir in dem Zuge, dann auch noch ein paar Pfannkuchen. Maggie, deutsche Freiwillige aus der Schweiz, übernachtete ein paar Mal bei mir (dagegen sagte zum Glück niemand etwas) und wir führten einige sehr tolle Gespräche.

 

Sowohl am Sonntag vor Ostern wie auch am Ostersonntag selbst waren wir wieder einmal bei Festen eingeladen. Am 24.März wurde einer Cousine von Julien und Tonton in feierlichem Rahmen die Urkunde zum Abschluss ihrer Ausbildung zur Schneiderin überreicht. Die 4 Mädchen, die an diesem Tag ihre Ausbildung abschlossen, trugen alle Kleider aus dem gleichen Schloss und war sehr herausgeputzt. Auch die Dame, die ihnen die Urkunden überreichte, trat auf wie eine Prinzessin aus dem Film. Alle Beteiligten traten tanzend ins Zentrum, der Aufmerksamkeit, was auf der einen Seite natürlich klar einen Teil der togoischen Kultur zeigt, auf der anderen Seite aber zum Teil auch sehr beschämend sein kann, da schlechte Tänze oder kleine Patzer nicht höflicherweise übersehen werden, sondern alle amüsieren sich köstlich darüber. Die Zeremonie wurde immer wieder unterbrochen von einer Mädchentanzgruppe, die zu Azonto und Cool Catché-Liedern tanzte. Nach dem Programm ging die Feier dann wieder in das Übliche Essen und Trinken in unkommunikativen Plastikstuhlreihen über. Insgesamt war es sehr schön bei diesem Fest dabeizusein, da es tatsächlich ein bisschen etwas zu sehen gab.

An Ostern handelte es sich wohl um eine kirchliche Feier, 5 Frauen hatten eingeladen. Da wir aber später kamen, bekamen wir nichts von dem Fest mit außer dem Essen und gingen dann auch ziemlich bald wieder.

Am letzten Sonntag besuchte auch ich dann endlich den Sonntag-Morgen-Markt in Assigamé. Dort werden Altkleider verkauft. In riesigen Wäschebergen kann man sich dort viele tolle Secondhand Klamotten zusammensuchen – und anschließend günstig kaufen. Ja, richtig es handelt sich hier tatsächlich um Altkleider, für die man hier zwar nicht viel aber doch etwas bezahlen muss. Das entspricht weder dem Gedanken, den Europäer haben, wenn sie ihre Kleidung in die Altkleidersammlung geben, noch lernen die Menschen hier dadurch einen verantwortungsbewussten Umgang mit Textilien. Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte, recherchiere bitte selbst. Es lohnt sich weiter über diese Problematik nachzudenken.

Gestern endete dieser 6.Monat in Togo dann mit einem weiteren Tag Beschäftigung am Goethe-Institut. Aus ganz Togo waren 14 Première-Schüler angereist, die nach einem schriftlichen Wettbewerb nun interviewt wurden. Unter ihnen wurden dann nach jeweils 15 Minuten Einzelgespräch mit jedem Schüler, 4 ausgewählt, die im Sommer für einen Monat im Rahmen eines Programms des PAD nach Deutschland fliegen dürfen. Ich wünsche ihnen sehr, dass sie dort eine so tolle Zeit haben, wie ich sie hier erlebe. Ich warte nun mit Spannung auf den nächsten Besuch aus Deutschland und wenn die Gewinner des gestrigen Wettbewerbs unser Land erkunden, werde auch ich wieder bei euch sein.