Besuch, Bescherung und eine bereichernde Zeit

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Es ging wieder mal hoch her in meiner Umgebung. Hier die Details:

Nach mehreren Wochen, in denen immer wieder alle Beamten inklusive Lehrer für höhere Löhne gestreikt haben, also nicht zur Arbeit erschienen sind, waren viele Schüler der Meinung, dass sie jetzt genug Unterricht verpasst hätten und nun endlich wieder auf ihre Prüfungen vorbereitet werden sollten, die stetig näher rücken. Um ihre Lehrer dabei zu unterstützen ihre Ziele zu erreichen, gingen die Schüler im ganzen Land, also nicht nur in Lomé, auf die Straße. Diese Demonstrationen begannen am Donnerstag, den 11.04. Ich saß zusammen mit Maggie, der Freiwilligen aus der Schweiz in einem Taxi, an dem die Schüler vorbeiliefen. Es war sehr beeindruckend diese Massen an Schülern zu sehen, die an dieser Stelle friedlich ihre Rechte einforderten. Sehr viele trugen ihre Schuluniform. Es machte mich fast schon ein bisschen stolz mit diesen jungen Menschen zusammenzuarbeiten, die endlich mal der Öffentlichkeit zeigen wollten, das etwas falsch läuft. Reaktion der Regierung war es für eine Woche alle Schulen im Land zu schließen, da teilweise Schüler von öffentlichen Schulen in Privatschulen eindrangen, um den Unterricht zu stören. Zum Teil wurden dabei Schüler verprügelt. Am 3.Demonstrationstag (Montag, den 15.04.) wurden dann ganz im Norden in Dapaong 2 Schüler(innen??) erschossen. 1 davon war 12 Jahre alt. Das ganze Land war empört und forderte, das der schuldige Soldat zur Rechenschaft gezogen wird. Mittlerweile hat die Schule wieder begonnen. Die Prüfungen wurden nach hinten verschoben.

Unsere Arbeit an unserem Raum-Projekt – habe ich schon erwähnt, um was es konkret geht? – ging auch stetig voran und mir wurde erst bewusst, wieviel Arbeit wir uns mit dieser Idee aufgehalst hatten. Gut bleibt die Idee, natürlich trotz all dieser Arbeit!

Auch am Goethe-Institut hatten wir wieder zu tun: Wir halfen bei der Auswahl der Stipendiaten für einen Aufenthalt mit Sprachkurs in Deutschland. Die Plätze wurden an diesem Tag nur unter Schülern des PASCH (Schulen – Partner der Zukunft) Programms verteilt und wir hatten am Ende eine Auswahl mit der wir sehr zufrieden waren.

Am 19.04. bekamen wir dann Besuch von July, Marlene und Lena, 3 der 5 Freiwilligen des VNB in Ghana. Sie verbrachten das Wochenende bei uns und fuhren dann am Montag weiter, um Marlenes Zwillingsschwester in Kpalimé zu besuchen. Trotz all der Probleme mit meiner Gastfamilie, die sich sogar noch leicht verstärkt hatten, konnten Marlene und Lena bei mir schlafen, so dass sie sich kein Hotel suchen mussten. July kam bei Chiara unter. Gleich einen Tag darauf kam noch mehr Besuch. Mein Freund reiste aus Deutschland an, um die folgenden 2 Wochen bei mir in Togo zu verbringen. Er brachte die nötigen Utensilien mit, damit wir am 21.4. dann für unseren Mentor Linsen mit Spätzle kochen konnten. Dieser hatte nämlich an diesem Tag Geburtstag. Das Essen war uns tatsächlich gut gelungen und kam auch bei den Togolesen gut an.

Einen Tag vor meinem Geburtstag war es dann wieder soweit: Es ging mir schlecht und ich war so krank, dass ich in Begleitung von Julien, meinem Gastbruder und meinem Freund in eine Privatklinik in der Nähe fuhr. Dort mussten wir erstmal eine Ewigkeit warten, was meinen Zustand noch verschlimmerte, irgendwann war ich dann aber bei Arzt, der Malariasymptome feststellte und mich mit vielen Rezepten versorgt, wieder nach Hause schickte. Julien war wie so oft sehr hilfsbereit und besorgte sämtliche Medikamente für mich. Für mich hieß es dann also erstmal das Bett hüten. An meinem Geburtstag fühlte ich mich dann am Nachmittag schon wieder so gut, dass ich aufpassen musste, meinen Körper nicht direkt wieder zu überanstrengen. Am Abend kamen nicht nur Chiara, Julien und sein Cousin, sondern auch Maggie, Nehle (Maggies neue Verstärkung aus Deutschland) und weitere Familienmitglieder vorbei, um mir zu gratulieren und mir ihre Geschenke vorbeizubringen. Es war ein schöner und ausgelassener Haufen, der sich da für mich versammelt hatte. Ein Glück, dass meine Gastmutter genau mit dem Flugzeug nach Paris geflogen war, mit dem mein Freund angekommen war, sonst wäre dies bestimmt nicht so möglich gewesen. Ich bekam wunderbare Geschenke und hatte viel Spaß an diesem Abend doch irgendwann merkte ich doch wieder, dass ich nicht gesund war und verabschiedete mich ins Bett.

Bis zum Freitag, 27.04. war ich dann aber wieder fit und so konnten wir am Abend meinen Geburtstag noch einmal ein bisschen nachfeiern. Dazu kochten wir bei Chiara zuhause Pudding und Milchreis (deutscher Import von Chiaras Mutter), den wir dann in einem Pavillon auf der Dachterrasse von Leifs Wohnung verspeisten. Leif ist ein Praktikant der deutschen Botschaft, der von seinem Dach zusätzlich auch noch tollen Blick aufs Meer hat. Auch Anton und Taalke aus der 5er-WG von VIA e.V. waren an diesem Abend dabei. So konnten wir bei gemütlichem Kerzenschein auf dem Dach den Pudding genießen, bevor wir loszogen ins Regierungsviertel. Dort wollten wir uns nicht etwa irgendwelchen nächtlichen Demonstrationen anschließen, sondern wir gingen zum Unabhängigkeitsplatz. Am 27.04. ist nämlich der Unabhängigkeitstag Togos und aus diesem Anlass fand am Abend auf dem Platz ein Konzert statt, bei dem mehrere Djs auf der einzigen „professionellen“ Bühne auflegten, die ich in meiner Zeit in Togo gesehen habe. Die Musik war die gleiche wie immer: Cool Catché und Azonto. Was aber nicht unbedingt schlecht war. Es war wirklich toll mit anzusehen, wie sich auf dem ganzen Platz Menschen gleich zur Musik bewegen, weil sie die Tänze dazu konnten.

Eine Woche darauf stand dann Maggies Geburtstag an. Wir trafen uns in ungefähr der gleichen Besetzung beim Cocktail-Straßenverkauf unseres Vertrauens und gingen danach noch in einen Club.

Am folgenden Tag waren dann zwei schöne und bereichernde Wochen mit meinem Freund auch schon wieder um und es wurde Zeit für die folgenden Monate noch einmal Abschied zu nehmen.

Am 20.04. hatte ich mehr durch Zufall erfahren, dass meine Gasteltern beschlossen hatten, dass ich nur noch bis zum Ende des Monats in ihrem Haus bleiben soll. So musste ich mich also sehr schnell auf die Suche nach einer neuen Gastfamilie machen. Glücklicherweise hatte Tonton, der Cousin meines Gastbruders schon einen Freund angefragt, und wir konnten dessen Familie direkt am 22.4. abends besuchen. Mir gefiel es gut dort und ich wollte gerne zu dieser Familie ziehen, doch Bedingung von Seiten unseres Mentors war, dass ich ein Bett brauche. Die beiden Zimmer, die ich bewohnen sollte, waren nämlich komplett leer. Chiara wusste glücklicherweise, dass die 5er-WG mit der wir viel zu tun haben, neue Matratzen bekommen hatte. So konnte ich dann am ersten Mai auf original togolesische Art meine Matratze mit dem Motorrad-Taxi einmal durch ganz Lomé zu meinem neuen Zuhause transportieren. Alle Probleme waren damit beseitigt und seit dem 02.Mai lebe ich nun in der neuen Gastfamilie, die ganz anders als andere togolesische Familien ist, teilweise aber gerade deswegen gut. Ich bin sehr glücklich darüber nun bei ihnen zu leben und nicht mehr ständig mit Konflikten konfrontiert zu werden.Wir verstehen uns gut und es zeigt sich immer wieder, dass man Problemen ausweichen kann, wenn man verbal miteinander kommuniziert.

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