Geburtstagsdrama, Goethe und Geocaching

Auf und ab ging es in der Zeit ab dem 11. Februar, was nicht nur an den schlechten und holperigen Straßen Togos lag.

Zunächst machte ich nach ziemlich genau einem Monat geflochtenen Haaren meine Tresse wieder auf (natürlich mit Unterstützung). Nach 2 Stunden waren alle Kunsthaare von meinem Kopf entfernt und nach gründlichem Waschen auch ungefähr die Hälfte meiner richtigen Haare. Ich bin sehr froh, dass ich keine Löcher an der Kopfhaut hatte aufgrund der fehlenden Haare, doch ich trauerte meinen Haaren schon ein bisschen nach.

Am 16. Februar hatte dann mein Gastbruder Julien seinen 20. Geburtstag. Als Geschenk steuerte ich einen Kuchen bei, was dann letztendlich der Auslöser des Konflikts war, da für die Leute hier Geburtstage nicht so wichtig sind wie für uns und so viel Aufmerksamkeit jemanden gegenüber dann natürlich misstrauisch macht. Meiner Gastmutter (der Hausherrin und Tante väterlicherseits von Julien) war Chiaras und meine Freundschaft zu Juliens Cousin und ihm schon länger ein Dorn im Auge. Nun meinte sie endlich etwas gegen uns in der Hand zu haben. Sie schaltete unseren Mentor ein und klagte ihm ihr Leid. Alle Informationen über die Entscheidungen der Gespräche bekam ich von Julien, der wiederum alle von seiner Mutter erzählt bekam, die bei den Gesprächen dabei war. Für mich persönlich war es enttäuschend, dass niemand direkt mit mir redete beziehungsweise auf mich zukam, weder unser Mentor, noch Kossi, der hier im Haus mein Ansprechpartner oder gar meine Gastmutter selbst. So war es also auch Julien, der mir am Sonntagnachmittag berichtete, dass es wohl Überlegungen gäbe, mich umzuquartieren. Um nicht ständig das Gefühl haben zu müssen von misstrauenden Menschen umgeben zu sein, aber auch um in Ruhe abwarten zu können, was letztendlich entschieden werden würde, verbrachte ich die Zeit bis zum darauffolgenden Mittwoch bei Chiara und ihrer Gastfamilie. Als ich zurückkehrte, sprach keiner mehr von den Ereignissen des Wochenendes und alles schien vergessen. Das war mir sehr recht, da ich nicht wollte, dass dies alles den Besuch von meinem Vater und meinem Onkel überschatten würde, dennoch blieben mir ein paar Zweifel, ob wirklich alles so schnell erledigt sein könne.

Letzten Endes hatten wir trotz alle dem am 16. Februar einen schönen Tag. Wir fuhren in das Stadtviertel hinter dem Hafen und verbrachten dort den Nachmittag am Strand und im Meer.

Am Abend besuchten wir eine Reggae-Bar und rundeten den Tag damit ab.

In der folgenden Zeit halfen Chiara und ich wiedereinmal beim Goethe-Institut. Eine Schülergruppe aus Benin machte ihr jährliche Reise nach Lomé zum Goethe-Institut und musste nun für ein paar Stunden bespaßt werden. Gemeinsam mit einem anderen Freiwilligen und einigen Germanistik-Studenten spielten wir mit den Schülern, zeigten kurze Filme und übten Lieder.

Unsere Arbeit in den Schulen lief weiter wie bisher. Wir gehen nun weiter getrennt in die Schulen, um die Zeit besser nutzen zu können.

Am 28.Februar kamen dann am Abend mein Vater und sein Bruder an. In den folgenden 9 Tagen besuchten wir gemeinsam 2 Schulen, Kpalimé und Aného, aßen gar nicht so viel landestypisches Essen wie ich ihnen zeigen wollte und vernichteten unzählige Youki-Vorräte bei den regelmäßigen Bar-Besuchen. Unser Ausflug nach Kpalimé war sehr schön. Wir fuhren zu 3 Wasserfällen und staunten auf unseren Spaziergängen durch den Wald über die vielen verschiedenen Pflanzen, die dort wachsen. Abends kamen wir pünktlich vor einem starken Gewitter (dem ersten seit Wochen, wenn nicht Monaten) in unserem kleinen Hotel an. Am nächsten Tag wollten wir eigentlich noch einmal in die Natur, um einen Cache zu suchen (Geo-Caching, wers nicht kennt: Menschen, die mit GPS-Geräten durch die Landschaft rennen, um kleine Gegenstände zu finden). Da der Taxifahrer aber mehr für die geplanten 2 Stunden wollte, als unser Fahrer am Vortag für den ganzen Tag, entschieden wir uns doch dagegen und fuhren schließlich mit genau diesem Fahrer zurück nach Lomé. Auf der Strecke wurden immer wieder Leute eingesammelt und abgesetzt. Zeitweise waren wir zu acht im Auto plus Kind. Sitzaufteilung 4 mit Kind vorne, 4 ohne Kind hinten. In den folgenden Tagen erkundeten wir die Hauptstadt und machten einen Tagesausflug nach Aného, wo wir unter anderem den deutschen Friedhof besuchten. Dort findet man viele Gräber von Deutschen, die in der Kolonialzeit hier in Togo gelebt hatten. Es war wie ein Schritt zurück in die Geschichte die Grabaufschriften in unserer Sprache zu lesen und die Dienstgrade zu entdecken. Wie gerne hätte ich mehr über diese Menschen, ihre Geschichte und ihr Leben hier in Togo erfahren! Des Weiteren versuchten wir in Aného den zweiten Cache zu finden, der in Togo versteckt wurde. Leider hatten wir auch hier keinen Erfolg, da der Baum auf dem der Cache zuletzt versteckt war, mittlerweile gefällt wurde. Um anderen Geo-Cachern diese enttäuschenden Erfahrungen zu ersparen, legte Stefan in Lomé selbst einen Cache. Mal sehen, wie lange dieser sich halten wird.

Nachdem die schöne Zeit mit den beiden vorbei war, brauchte ich erst einmal ein bisschen ein bisschen Zeit um wieder in den Alltag zu kommen, da ich in der Zeit ihres Besuchs wirklich vollkommen abgetaucht war.

Abgesehen von diesen besonderen Ereignissen besuchte ich natürlich wieder regelmäßig Assigamé und mein Kleiderschrank füllt sich langsam mit immer mehr bunter Kleider und Mustern. Ich bewundere die handwerklichen Fertigkeiten der Menschen hier, die mit – aus deutscher Sicht- einfachen und veralteten Mitteln nahezu perfekte Gegenstände und Kleidung herstellen.

Die Temperaturen sind gestiegen in den letzten Wochen und die nicht vorhandenen Regentage werden zu ein paar wenigen.

 

Demnächst dann mehr aus dem Westen Afrikas. Erfriert mir nicht im kalten Deutschland!