Zweiter Quartalsbericht: Weihnachten, Ferien und Zwischenseminar

2. Quartalsbericht von Silke Bölts: vom 26. November 2013 bis zum 26. Februar 2014

 

Meine Projekte:
Mit der Schulzeitung bin ich in der Tat bis zum Beginn der Sommerferien am 6. Dezember fertig geworden. Nachdem das Layout fertiggestellt war, konnte es an das Drucken gehen. Mit dem Drucker des Lehrerzimmers habe ich dann für die erste Auflage 50 Kopien des 36-seitigen Magazins erstellt. Dafür habe ich dann zwei ganze Tage gebraucht, da der Drucker ziemlich langsam ist. Da die Zeitung auch viele (Klassen-)Fotos enthält, war die Druckertinte sehr schnell aufgebraucht, weshalb ich mehrmals nach neuer Druckertinte fragen musste. Letzlich habe ich eine Ausgabe für fünf Rand verkauft. Der Preis ist angesichts der Druckkosten noch zu niedrig, aber für mehr Geld würden einige SchülerInnen das Magazin nicht mehr kaufen können.
Im Januar startete die Schule für die Lehrer wieder am 13. Januar. Zuerst habe ich mir einen Plan für das beginnende Jahr gemacht. Zwei Tage später ging es dann auch wieder für die Schüler los. Da bin ich durch alle 13 Klassen gegangen und habe die erste Ausgabe der Schulzeitung noch einmal zum Verkauf angeboten. Bei Interesse konnten sich die SchülerInnen in eine Liste eintragen. Der Schulleiter wollte, dass erst bezahlt und dann gedruckt wird, damit wir auf keinem Exemplar sitzen bleiben. Des Weiteren habe ich für das Redaktionsteam geworben, für die man sich in eine zweite Liste eintragen konnte. Bei den höheren Klassen (elf und zwölf) war es ganz einfach und angenehm zu erklären warum es wichtig ist, Artikel zu schreiben und wie spannend das Magazin ist. Bei den Jahrgängen acht und neun war das ganze schon anstrengender. Den achten Klassen habe ich mich auch noch vorgestellt, da diese neu auf die Schule gekommen waren.
Eine weitere Erfahrung bezüglich des Verständnises der Schüler von Vereinbarungen konnte ich ebenfalls sammeln: Ich hatte die ungefähr 60 interessierten und motivierten Schüler, meine zukünftigen Reporter, eingeladen, sich mit mir in der Mittagspause mit mir in der Bücherei zu treffen, um weitere Details zu besprechen. Dann musste ich jedoch feststellen, dass genau keiner gekommen war. Erst musste der Schock der Enttäuschung, da die SchülerInnen ja freiwillig zugesagt hatten, zu kommen, mit einem kleinen Gespräch mit einer Lehrerin verarbeitet werden. Sie fragte mich, was ich denn erwarten würde, es seien doch nun einmal Schüler. Auf Nachfrage berichteten mir diese später, dass sie damit beschäftigt gewesen seien, zu essen oder Aufgaben von LehrerInnen bekommen hätten. Da ich deren Haltung nicht so einfach ändern und ich ja auch niemanden zwingen kann, dachte ich mir, muss ich mir eben andere Methoden einfallen lassen und habe auf die positive Seite einer freien Mittagspause geschaut.
In den weiteren Tagen habe ich das Geldeinsammeln dann mit dem Besprechen der Artikelthemen verbunden, was ich ja eigentlich in der Mittagspause vorhatte. In kleinen Gruppen ließ sich das auch viel leichter handhaben, auch wenn ich dann jedem immer wieder das gleiche erklären musste.

Erfreulich viele hatten sich in die Listen eingetragen und nach zurückgeschraubten Erwartungen haben mir auch erstaunlich viele das Geld oder einen Artikel gegeben. Einige SchülerInnen sind wirklich total begeistert bei der Sache und geben sich richtig viel Mühe. Das ist dann immer ein kleiner Lichtblick und man weiß, dass man mit diesen jedenfalls etwas anfangen kann. Nach einer Woche hatte ich meine Tour durch die Klassen dann erledigt und konnte die Texte zur Korrektur an EnglischlehrerInnen geben. Doch mit der Zeit hat sich herausgestellt, dass diese zur Zeit viel zu beschäftigt sind und deswegen keine Zeit für Extra-Arbeit haben. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, die Korrektur selber in die Hand zu nehmen. Wenn ich dies dann mit den SchülerInnen bespreche kann ich ihnen auch gleichzeitig Tipps für einen guten Schreibstil geben und bin mit den Verbesserungen vertraut im Gegensatz zu manchmal mir nicht einleuchtenden Markierungen der Lehrer. Dies mag dann aber dazu führen, dass die Texte am Ende nicht in einem richtigen Schulenglisch abgetippt werden, da mein Englisch ja auch nicht perfekt ist. Jedoch komme ich so jedenfalls voran.
Mit einer kleinen Schülergruppe der unteren Klassen treffe ich mich nun jetzt immer in der Mittagspause im Computerraum, um ihnen beim Abtippen ihrer Texte zu helfen. Einige haben wirklich noch keine PC-Erfahrungen und brauchen eine detaillierte Erklärung für alles. Auch wenn ich die Artikel wahrscheinlich auch in Summe schneller abschreiben könnte (was ja aber nicht Sinn der Sache ist), merke ich, dass es den SchülerInnen Spaß macht und sie es dann in höheren Klassen bei den ersten Schritten mit dem Computer leichter haben werden.
Ein wichtiges Thema ist immer die Sicherheit der Technik. Denn manchmal werden zum Beispiel Computer-Mäuse von SchülerInnen gestohlen und die Schule hat eigentlich kein Budget, um neue zu kaufen.
Die Abmachung, dass nur IT-Schüler mit mir arbeiten dürfen, wurde zum Glück gekippt, denn sonst hätte ich nur eine kleine Auswahl an Redakteuren gehabt und so ist der Lerneffekt größer, da die jetzigen weniger Vorerfahrungen haben.
In der Zwischenzeit bin ich immernoch damit beschäftigt, mehr Kopien der Schulzeitung zu drucken. Der Schulleitung ist dabei wichtig, dass sie nicht auf den Kosten sitzen bleibt und klar erkennbar ist, wie viel ich oder die Lehrer von einer Druckerpatrone verbrauchen. Deshalb hat der Schulleiter mir „meinen eigenen“ Drucker zugewiesen. Das ist ein Farbdrucker und Scanner bzw. Kopierer, den die Schule mal gespendet bekommen hat, aber keine Verwendung dafür hatte; bzw. er wurde nicht benutzt, da die Patronen leer waren. Nun kann ich ohne Unterbrechung drucken und weiß, dass auch nur ich meine Tinte verbrauche, die ich dann selber von dem Geld kaufe, das ich durch die Schulzeitung einnehme. Mit der Zeit hat sich jedoch herausgestellt, dass auch dieser Drucker sehr langsam ist und die Tinte viel zu schnell verbraucht wird, was enorme Kosten verursacht. Deshalb habe ich alleine nachgeforscht, wo man am günstigsten neue Kartuschen bekommt und bin später auf Nachfülltinte umgestiegen, was die günstigste Lösung zu sein scheint.
Jedenfalls bin ich froh, wenn ich mit dem Druckjob erst einmal für eine Weile durch bin, denn es zieht sich ewig hin, wenn man immer wieder neue Tinte besorgen muss.

Für die Zukunft planen wir, dass wir mit der zweiten Ausgabe auf Unternehmen zugehen und Anzeigeflächen anbieten. Mit dem eingenommenen Geld können wir dann hoffentlich einen Druckauftrag an eine Firma geben und den Verkaufspreis niedrig halten und vielleicht auch ein paar Kosten wieder gut machen, die ich jetzt verursacht habe, da Verkaufspreis und Druckpreis nicht übereinstimmt.

„Christmas in a Shoebox“ hatte ich im letzten Jahr versucht zu starten. Doch leider habe ich nur von einer Person, einer Lehrerin, einen mit nützlichen Kleinigkeiten gefüllten Schuhkarton bekommen. Doch dabei hatte ich doch drei Schulen angesprochen! Aber es war auch alles sehr kurzfristig gewesen. Dann hatte ich aber noch meinen eigenen Karton. Diese beiden wollte ich doch wenigstens jemandem zukommen lassen und bin deshalb zu einer nahegelegenen Grundschule gegangen, deren Schulleiter sich sehr kooperativ gezeigt hatte. Ich hatte ihn gebeten, zwei bedürftige SchülerInnen herauszusuchen. Schließlich haben zwei Erstklässler ihre verspäteten Weihnachtsgeschenke bekommen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm Anfang der Sommerferien hatten Marie und ich ja, wie im letzten Quartalsbericht schon erwähnt, der Organisation „Youth in Action“ in Winterveld bei ihrer Kleiderverteilungsveranstaltung geholfen. Dazu war auch eine Pastorin aus Bremen angereist, die die Veranstaltung maßgeblich gesponsert hatte. Marie und ich haben viel beim Gemüseschnippeln geholfen, aber auch Essen ausgeteilt, Kleidung sortiert und deren Verteilung überwacht. Insgesamt war die Veranstaltung erfolgreich, da alle Kleider vergeben wurden, welche sonst wahrscheinlich nur in irgendwelchen Schränken herumgelegen hätten. Gleichzeitig war sie aber auch anders als erwartet, denn statt der erwarteten 1000 Teilnehmer kamen aber nur ungefähr 200, anstelle einer Motivationsrede hat die Pastorin eine Predigt gehalten und ein Unterhaltungsprogramm gab es nicht.

Brieffreundschaften
Die Briefe der südafrikanischen Achtklässler sind Ende November gut in Deutschland angekommen und, nach Auskunft der kooperierenden Lehrerin, haben sich die deutschen Schüler sehr gefreut. Auf eine Rückantwort warte ich aber immernoch.

Chemielabore
In meinen ersten Wochen hatte sich die Möglichkeit gezeigt, dass ich mit meiner Gasttante zusammen Schullabore renovieren könnte. Ein paar Mal sind wir zu zwei verschiedenen Schulen gefahren, um mit denen Details zu besprechen. Bis Ende Dezember hatte wir jedoch auf die Fertigstellung einer Projektbeschreibung gewartet, die jemand, der so etwas studiert hat, für uns anfertigen wollte. Nun ist diese fertig und ist auch ziemlich komplex und wirkt sehr professionell.
Bis jetzt kümmert sich meine Gasttante um den Kontakt zu Universitäten und Sponsoren, während ich mich auf die Schulzeitung konzentriere.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMandela
Anfang Dezember starb Nelson Rohlihlala Mandela. In der zehntägigen Trauerphase wurde im Fernsehen viel über sein Leben gezeigt und in den Straßen hingen Poster mit Zitaten von ihm. Bei den Union Buildings habe ich mich in eine Kondolenzliste eingetragen. Vor dem Gebäude lagen um eine Statue herum viele Blumen und Briefe von Trauernden. Natürlich waren auch einige Fotografen und Reporter vor Ort, um live zu berichten. Mit Tshenolo hatte ich dort gerade gewartet, als wir spontan von einem Fernseh-Reporter gefragt wurden, ob er uns ein paar Fragen in seinem Beitrag stellen könne. Natürlich waren wir einverstanden und wurden danach noch gleich von einem Zeitungsteam befragt. Zur Trauerfeier ins FNB-Stadium nach Johannesburg konnten wir leider, im Gegensatz zu vielen Staatsgästen, nicht, wir mussten mit der Fernsehübertragung auskommen. Viele SüdafrikanerInnen ließen sich die Chance auch nicht entgehen, den aufgebahrten Körper Madibas vor den Union Buildings wenigstens für ein paar Sekunden sehen zu dürfen. Dies hat für stundenlanges Anstehen und lang Schlangen gesorgt, in die ich mich lieber nicht einreihen wollte, was auch zeitlich gar nicht gepasst hätte.
Kurz vor dem Tod des ehemaligen Präsidenten hatten wir die Verfilmung seiner Autobiographie „Long Walk to Freedom“ im Kino gesehen.

Sommerferien
OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Dezember haben uns Julian und Daniel, die zwei Freiwilligen aus Kapstadt besucht. Wir haben sie am Busbahnhof abgeholt und sind mit ihnen am nächsten Tag zum Krüger-Nationalpark gefahren. Dort haben wir vier Nächte verbracht und haben viele Tiere gesehen. Anschließend sind haben wir noch für zwei Tage die Panoramaroute genossen. Dort gibt es wunderbare Landschaften, wie bewaldete Hügel, den Blyde River Canyon, die „Three Rondavaals“ (Felswand in Form dreier Rundhütten), Burcke’s Luck Potholes (skurrile Felsauswaschungen), die Echo-Caves (Tropfsteinhöhle), God’s Window (wunderschöner Aussichtspunkt auf das Flachland) mit dem Mini-Regenwald (wo das Flachland, Lowveld, auf das Hochland trifft, entstand durch hohen Niederschlag eine tropische Vegetation) und den Pinnacle (eine besondere Felsformation).
Nach diesen sechs Tagen haben die beiden Kapstädter noch eine Woche lang Pretoria erkundet. Durch kundige Führerinnen haben sie den Freedom Park (Museum zur südafrikanischen Geschichte und Gedenkstätte für alle, die im Kampf um Freiheit gestorben sind), das Vortrekker-Monument, das Apartheidsmuseum in Johannesburg, Pretorias Innenstadt und mein Township Ga-Rankuwa erkunden können. Ein Township-Burger, der Spatlho, durfte dabei natürlich auch nicht fehlen.

Danach war auch schon Weihnachten. Weihnachtsstimmung kam unter anderem schon bei dem Ballett „Der Nussknacker“ im Staatstheater oder beim Weihnachtsmarkt und -konzert der deutschen Schule in Pretoria auf. Mit meinen Gasteltern hatte ich einen sehr schönen entspannten Weihnachtsmorgen am 25. und anschließend haben wir meinen Gastonkel besucht, den ich bis dahin auch noch nicht kannte. Dessen Familie ist sehr nett und wir hatten einen schönen Tag.
Am darauffolgenden Day of Goodwill oder auch dem „Boxing Day“ war ich bei der Geburtstagsfeier meiner kleinen Gastkusine, zu der auch der ganze Rest der Familie und viele Nachbarn gekommen waren.

Kurz darauf sind Marie und ich auch schon zum Gegenbesuch nach Kapstadt gereist. Dafür haben wir zwei Tage lang im Sitzwagon des Zuges „Shosholoza Meyl“ verbracht und dabei viel südafrikanische Landschaft bewundern können. Am Ende wurden wir vom Bahnhof abgeholt und sind herzlich in Daniels und Julians Gastfamilie aufgenommen worden, in der wir für zwei Wochen gewohnt haben. In dieser Zeit haben wir viel vom wohl europäischsten Fleck Südafrikas gesehen: Von der Waterfront, Company’s Garden (wunderschöner Stadtpark), Victoria-Mall, Kirstenbosch’s Garden (botanischer Garten), Cape Point und das Kap der Guten Hoffnung und natürlich der Tafelberg. Da sind wir hinauf gewandert, in die Wolken hinein und mussten dann leider wegen Unwetter mit der Seilbahn zurückfahren. In Muizenberg haben wir versucht zu surfen und in Simon’s Town konnten wir Pinguine sehen. Zwischendurch war da natürlich noch Silvester, was wir an der Waterfront verbracht haben. Den Arbeitsplatz unserer Mitfreiwilligen, die OLYMPUS DIGITAL CAMERAUniversity of Western Cape, durfte natürlich auch nicht fehlen. An unserem Vorletzten Tag waren wir mit ihnen auch auf einem Trainings-Camp für angehende südafrikanische und amerikanische Peer-Educator, die ihre Altersgenossen über den Umgang mit HIV und AIDS informieren sollen.

Zwischenseminar
Nach unserer Rückfahrt mit dem Zug ging es auch wieder zurück in unsere Projekte bis wir diese am Anfang Februar auch schon wieder für kurze Zeit verlassen mussten, denn dann ging es wieder mit dem Zug nach Kapstadt und dann weiter nach Hermanus, was ca. 110 Km südöstlich vom Kap liegt. Es ist ein süßes, kleines Dorf mit besonderem Charme, in dem wir sechs wundervolle Seminartage verbringen durften. In dieser Zeit haben wir viele andere Freiwillige kennengelernt und uns mit diesen austauschen können. In Reflexionseinheiten haben wir über Probleme gesprochen und Lösungsansätze gefunden. Stimmungskurven wurden gezeichnet und über „Freiwilligentourismus“ diskutiert. Daneben gab es noch ein Treffen mit einem Leiter eines Projektes für Straßenkinder und wir hatten die Gelegenheit einen Dokumentarfilm zu sehen, den unsere Seminarleiter in einem Township Kapstadts gedreht hatten. Das Seminar wurde durch eine Wanderung durch die Hügel mit einem Picknick an einem Bergsee aufgepeppt und mit einem Abschlussgrillen am Strand abgerundet.
Nach dem Seminar sind wir wieder mit Julian und Daniel in ihre Gastfamilie gefahren und haben am nächsten Tag Robben Island besichtigt. Diese Gelegenheit wollten wir uns nicht entgehen lassen und mit dem Zug konnten wir sowieso erst am darauffolgenden Tag wieder zurück nach Pretoria fahren. In Retreat, dem Vorort von Kapstadt in dem Julian und Daniel leben, haben wir natürlich auch das kapstädter Pendant zum Spatlho probiert: der Gatspy, ein mit Pommes, Salat und Fleisch gefülltes Baguette.

Soweit von mir,
Silke

 

Außerdem bedanke ich mich bei meinen Unterstützern, die mir diese Erlebnisse erst möglich gemacht haben:

Erwin-Röske-Stiftung

SchinkenAmmerländer Schinkendiele

Rats-ApothekeRats Apotheke

DamianusDamianus Apotheke

evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bad Zwischenahn in St. Johannes (Bad Zwischenahn), St. Michael (Dreibergen) und Katharina (Rostrup)

BehrensMöbelhaus Behrens GmbH

ThiemeThieme und Scheltwort GmbH

RostrupApotheke Rostrup

Verein der Freunde von Round Table e. V.

sowie meine Familie, Freunde und Bekannte