Traditionen, Tribünen und tolle Ideen.

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Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit in einem fernen Lande im Westen Afrikas eine kleine Truppe aus deutschen Freiwilligen und togolesischen Deutschstudenten. Diese bemühten sich mit dem ihnen anvertrauten Material eine Ausstellung zum Thema „Die Brüder Grimm und ihre Märchensammlung“ auf die Beine zu stellen. So fanden sich alsbald viele Schüler und die zugehörigen Lehrer im finsteren Märchenwald wieder und lauschten gespannt den Erzählungen aus vergangenen Zeiten. Viel gab es für alle zu entdecken, so konnte man auch selbst Märchen verfassen, kurze Filme sehen und viel zu alten und modernen Märchen erfahren. Nach diesen ereignisreichen Stunden im weißen Gebäude, welches hierzulande „Goethe“ genannt wird, kehrten alle Helden zufrieden in ihr heimisches Königsreich zurück. Der Märchenwald aber war zufrieden mit der Reaktion seiner Besucher und verließ Togo nach 2 Wochen in Richtung Namibia.

Nebenher arbeitete ich mit zwei Gruppen von Terminaleschülern, um ihnen bei der Vorbereitung auf das BAC II zu helfen. Wie so oft, war der Besuch dieser Stunden eher unregelmäßig und so musste ich des Öfteren zwei- oder dreimal das Gleiche erklären, weil die Schüler in der letzten Stunde nicht da waren. Wenn wir zusammenarbeiteten, schien dies aber doch ganz effektiv gewesen zu sein und alle waren interessiert bei der Sache. So warten wir jetzt alle gespannt auf die Ergebnisse.

Chiara und ich machten uns derweil auf den Weg ins Dorf, wo wir mit Chiaras Gastfamilie einen Tag lang die traditionellen Beerdigungszeremonien vollzogen. Dies lief so ab, dass wir nach der Ankunft zunächst die Dorfältesten begrüßten und ihnen unser Beileid aussprachen. Dann begaben sich alle zu einem Weg am Dorfeingang, wo ein alter Herr verschiedene Getränke öffnete und jeweils den ersten Schluck auf den Boden kippte. Währenddessen sprach er die ganze Zeit auf Ewe, wahrscheinlich zeremonielle Worte.

Dass der erste Schluck eines Getränks in Togo auf den Boden geschüttet wird, ist etwas ganz Alltägliches und wenn man in einer Bar zusammensitzt, schütten viele den ersten Schluck im Glas auf den Boden. Für die Ahnen.

Zum Abschluss dieser Zeremonie wurde dann an dieser Stelle auch noch eine Ziege geschlachtet. Dann fing es stark zu regnen an und alle saßen zusammen im Haus und warteten auf das Ende des Regens. Die Zeit vertrieben sich alle mit Singen und Tanzen. Später, als der Regen sich verzogen hatte, gab es Essen, wir machten einen Spaziergang, es wurde Tam-Tam gespielt, gesungen und getanzt. Am späten Nachmittag ging es dann zurück nach Lomé.

In der folgenden Woche mussten wir uns dann wieder von einer Freundin verabschieden. Nehle verließ Togo nach 3 Monaten Freiwilligendienst. Wir kochten gemeinsam mit ihr bei Tontons Familie ein buntes Gemisch aus deutscher und togolesischer Küchenkultur und hatten einen schönen letzten gemeinsamen Abend.

Am 30. Juni gab es dann ein echtes Highlight im sonst eher ereignislosen Abendprogramm Lomés. Togos Nationalspieler Nummer 1, Adebayor, lud zu einem Konzert in Lomés Stadion ein. Dort standen im Laufe des Abends so ziemlich alle Künstler auf der Bühne, die gerade von der togoischen Jugend bejubelt werden. Zu 90% führten sie ihre Lieder leider Playback auf, aber das schien außer mich niemanden zu stören. Eigentlich sollten die Leute die Show von den Tribünen aus verfolgen. Schon vor Konzertbeginn konnte man aber sehen wie erst ein paar Leute von der unteren Tribüne über den Zaun aufs Spielfeld sprangen. Aus den wenigen, denen sich Sicherheitsleute entgegenstellten, um den Rasen abzusperren, wurden schnell immer mehr und bald wurde der Rasen für das Publikum freigegeben. So konnten wir ein (aus deutscher Sicht) ganz normales Konzert genießen und auch der härteste togolesische Kritiker musste zugeben, dass es gar nicht so merkwürdig ist, dass in Deutschland auf Konzerten Stehplätze viel begehrter sind, als Sitzplätze. Die Menge tobte einen Abend lang im Stadion und es machte viel Spaß dabei zuzusehen, wie ein ganzes Stadion Azonto und Cool Catché tanzte.

Während unsere Schüler sich in der folgenden Woche durch die Abiturprüfungen quälten, machten wir uns einen schönen Tag und fuhren mit Robin, dessen Besuchern, Gerd und Simeon (dem Assistenten der Unterrichtsexpertin) in Richtung Vogan ins „Milleniumsdorf“. Dieses Dorf wurde von einem Togolesen gegründet, der eine unglaublich motivierende und inspirierende Art hat seine Ideen zu präsentieren, Er hat ein Mikrokreditunternehmen gegründet und bietet den Menschen auf den Dörfern damit die Möglichkeit Solarlampen, Fahrräder und anderes zu kaufen. Seine Mikrokredite sind immer an einen verpflichtenden Gesundheitscheck gekoppelt, was die Gesundheit seiner Klienten deutlich verbessert hat. Im Milleniumsdorf werden Seminare gehalten und das gesamte Dorf wird durch Solarstrom versorgt. Im Moment entstehen dort weitere Gästezimmer, in einigen Jahren soll dort für Menschen aus ganz Westafrika die Möglichkeit geboten werden, sich als Sozialunternehmer auszubilden. Seine eigene Ausbildung, nach dem Beruf als Grundschullehrer, hat Jerome durch den Herrn in Bangladesh bekommen, der für seine Mikrokreditidee den Nobelpreis bekam, sowie durch das Sozialunternehmer „Dialog im Dunkeln“ in Hamburg. Beide Male war er dafür für längere Zeit vor Ort. Ich staune immernoch über die Zuversicht, die Jerome ausstrahlte. Er hatte eine Idee und hat langsam Schritt für Schritt angefangen diese umzusetzen. Und das mit sichtbarem Erfolg. Wünscht sich das nicht jeder? Wir hatten wirklich einen sehr tollen Tag dort. Wer mehr über Jeromes Unternehmen wissen möchte, schaut am besten mal hier rein: kopeme.org

Und dann ging es endlich los: Nach monatelanger Arbeit am Spendendossier für unser Projekt „Raum für die deutsche Sprache“, konnten wir nach dem Verschicken endlich mit der praktischen Arbeit loslegen. Gemeinsam mit dem Maler kauften wir alles benötigte Material und konnten so am 08.Juli zu dritt den Raum in einem schönen gelb-grau streichen. Nach einem Tag Arbeit waren wir sehr zufrieden und unser Raum erstrahlt in neuem Glanz. Wer noch gar nichts über unser Projekt gehört oder gelesen hat, ganz sich in der angehängten Datei (http://db.tt/neBiZ0PD ) ausführlich informieren. Auch wenn unsere Arbeit jetzt gut voran geht, so ist unser Raum aber noch lange nicht komplett finanziert. Wir freuen uns, wenn wir auch dich überzeugen können uns zu unterstützen, finanziell oder in dem du anderen von UNSERER Idee erzählst.

Gemeinsam mit Désiré Raymondo, hatten wir an einem Nachmittag die verantwortungsvolle Pflicht einen Erwartungshorizont für das BAC II im Fach Deutsch zu entwerfen. Warum dieser nicht gemeinsam mit der Prüfung entworfen und herausgegeben wurde, ist mir ein Rätsel, aber in einem Land wie Togo wundert man sich irgendwann über gar nichts mehr. So war ich also auf der Vorbereitungsseite und auf der Korrekturseite in das diesjährige BAC II involviert. Ich hoffe wirklich sehr, dass für alle meine Schüler die Schulzeit zufriedenstellend zu Ende geht.

Nach vielem Hin und Her wurde dann endgültig der offizielle Wahltermin für den 21.Juli bekannt gegeben. Das bedeutet, dass ab dem 06.Juli der Wahlkampf begann. Zunächst tauchten ein paar Plakate der Regierungspartei UNIR auf, später ein paar Kleine von anderen Parteien. Viel mehr geschah aber in dieser Hinsicht, bis zum 10.Juli nicht.

Es folgt in Kürze der letzte Bericht aus Togo. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Bleibt gesund und „ Du courage!“ Eyizandé – Bis zum nächsten Mal.

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