Postbus, Programm zum Advent und Pool

Es ist Sonntagmorgen, 4 Uhr. Ausnahmsweise weckt mich nicht der Hahn meiner Nachbarn, sondern das scheppernde Gejaule eines Muezzins, der mit seinem Gesang durch die Lautsprecher des Minaretts versucht, die gläubigen Muslime in eine der vielen Moscheen zu locken.

Um so aus dem Schlaf gerissen zu werden, musste ich nicht, wie man jetzt vermuten könnte, bis nach Marokko oder Tunesien reisen. Meine Reise führte mich nur bis nach Sokodé, der zweitgrößten Stadt Togos, die sich ziemlich genau im Zentrum des Landes befindet.

Dorthin und in ein Dorf 40km weiter südlich ging es für Chiara und mich vom 24.11. bis zum 28.11.

Der Grund, warum wir unsere gewohnte Umgebung verließen, war der Folgende:

Zusätzlich zu unserer Mitarbeit im Deutschunterricht an den verschiedenen Lycées in Lomé, organisierten wir gemeinsam mit der Expertin für Unterricht des Goethe-Instituts, auch eine Deutsche, und einem Togolesen, ein Adventsprogramm, das im Rahmen eines Tages der offenen Tür im Goethe-Institut aufgeführt wurde.

Das Programm wurde von 8 Schulen aufgeführt, die jeweils ein Gedicht und ein Lied aufführten und eine Frage beantworteten, das alles selbstverständlich zum Thema Weihnachten in Deutschland. So hatten wir 24 Programmpunkte und konnten das Ganze wie einen Adventskalender aufbauen.

Nachdem wir das Material dafür zusammengestellt hatten, besuchten wir jede Schule mindestens einmal, um zu sehen, wie die Vorbereitungen laufen und um Tipps zu geben.

Und eben in diesem Rahmen konnten wir dann am Samstag, den 24.11. mit dem Postbus nach Sokodé fahren, wo wir am darauffolgenden Montag dann mit den Schülern arbeiteten, die für das Adventsprogramm nach Lomé kommen durften. Im Anschluss an die Vorbereitungsarbeit mit den Schülern, hörten wir noch ein bisschen bei der Probe des Schulchors zu. Der Chor wurde von einem sehr begabten Schüler geleitet und sang genau so wie man es sich bei einem afrikanischen (Gospel-) Chor vorstellt.

Es war wunderschön, dabei zu zuhören und erinnerte mich daran, wie sehr ich selber das Singen und meinen Chor in Deutschland vermisse, der passenderweise genau in diesen Tagen sein Konzert aufführte.

Auch sonst verbrachten wir ein paar wunderschöne Tage in der norddeutsch bergigen, süddeutsch hügeligen Region Togos. Am Sonntag erkundeten wir gemeinsam mit einem der 4 Deutschlehrer des Lycée Moderne de Sokodé die Stadt. Er zeigte uns wie die Teakbäume aussehen, deren Holz in Deutschland in Form von Gartenmöbeln in fast jedem Haushalt zu finden ist, ging mit uns Hirsebier trinken (aus Kalebassen) und zeigte uns die dazugehörigen Pflanzen.

Später waren wir mit ihm auf dem Markt, der natürlich rein gar nicht mit dem Marktviertel Assigamé ( bedeutet „Großer Markt“) in Lomé zu vergleichen ist. Dort erstanden wir beide unsere ersten Pagnes (Stoffe mit afrikanischen Mustern, MADE IN CHINA) und am darauffolgenden Tag auch kleine Mitbringsel für uns und Freunde in Lomé. Wir nahmen dann aber statt einem getrockneten Chamäleon doch lieber nur Stacheltierstacheln mit… falls wir irgendwann aufgrund von Krankheit doch Bedarf an diesem interessanten Tier haben, können wir ja auch hier in Lomé auf dem Fetischmarkt, einkaufen gehen =). Nein, Spaß beiseite: An einem Stand auf dem Markt in Sokodé wurden tatsächlich die genannten tierischen „Produkte“ als Medizin angeboten. Für uns war das eine ganz neue und ein bisschen schockierende Erfahrung, da wir vorher hier nicht wirklich auf den vorhandenen Glauben an Naturreligionen bzw. Voodoo getroffen waren.

Ein schöner Abschluss unserer Zeit in Sokodé war die Einladung eines Bäckers in sein Restaurant. Dieser hat 7 Jahre seines Lebens in Deutschland gelebt und dort auch seine Ausbildung gemacht. Er bewirtete uns mit leckerer Pizza, die Brezeln konnte ich leider nicht probieren. Wir saßen gemütlich beisammen und er erzählte viel von seiner Zeit in Deutschland, beispielsweise dass es im Raum Mannheim sehr viele rote Autos gibt. Kann das irgendjemand bestätigen?

Am Dienstagmorgen fuhren wir dann das erste Mal mit einem Sammeltaxi. Es handelte sich dabei, um einen der asiatischen Kleinbusse, die ich aus Südafrika kannte und die hier genauso gerne bis obenhin mit Menschen und Gepäck vollgepackt werden. Und wenn im Innenraum kein Platz mehr ist, kann man ja auch noch eine Menge auf dem Dach unterbringen =).

Mit diesem Gefährt fuhren wir also nach Adjengre, einem Dorf weiter im Süden, wo wir auch eine Schule besuchten und die Schüler auf das Adventsprogramm vorbereiteten. Am folgenden Tag drehten wir mit dem dortigen Deutschlehrer eine Runde auf dem Motorrad durchs Dorf und sahen so wieder einmal eine andere Art des Lebens in Togo. Anschließend nahmen wir am Unterricht in einer Première-Klasse teil. Dieser fand im größten Klassenzimmer statt, das ich bisher gesehen habe, was allerdings auch berechtigt war, da die Klasse ganze 105 Schüler zählte. Zum Vergleich: In meinem Abiturjahrgang in Deutschland waren ungefähr 120 Schüler, aufgeteilt auf 6 Klassen…

Am Mittag nahmen wir dann den Postbus zurück nach Lomé, wo wir abends nach ungefähr 5 Stunden Fahrt ankamen.Als ich nach der Ankunft in Lomé auf dem Mototaxi/Zemidjan/Zem/Zet saß, fühlte es sich tatsächlich wie ein Nachhausekommen an, ein tolles Gefühl.

Die Zeit vor und nach unserer Reise nach Sokodé verlief relativ gleichbleibend.Mitte November waren Chiara und ich beide jeweils für ein paar Tage krank, doch es war nichts Schlimmes.Unsere Arbeit führten wir wie schon die vorherigen Wochen in den Schulen fort.

Wir verbringen viel Zeit im Goethe-Institut, wo wir oft am Freitagnachmittag an einer Diskussionsrunde teilnehmen, die die Hälfte der Zeit auf Deutsch und die andere Hälfte auf Französisch geführt wird. Dort haben wir auch andere Freiwillige aus Deutschland und der Schweiz kennengelernt. Wir verstehen uns sehr gut und sind eine Gruppe von 9 Leuten. Bis jetzt haben wir uns bei verschiedenen Veranstaltungen am Goethe getroffen, doch wir werden wahrscheinlich gemeinsam auch Verschiedenes unternehmen.

In meiner Familie fühle ich mich sehr wohl. Ich verbringe, oft auch mit Chiara, viel Zeit mit meinem „Gastbruder“ Julien. Diesem und Kossi, dem Deutschlehrer, der zur Familie gehört und sozusagen mein Ansprechpartner ist, klauten wir Chiara und ich am 05. Dezember einen Schuh, um Nikolaus zu spielen. Das kam bei den beiden sehr gut an und sie freuten sich riesig.

Am 07. Dezember war dann schließlich der große Tag des Adventsprogramms. Schon am Vortag waren die Schulen aus Adjengre und Sokodé angereist. Die anderen teilnehmenden Schulen kamen alle aus Lomé. Der 07. Dezember wurde dann zu einem Tag, an dem ich kaum eine Pause hatte und immer beschäftigt war, doch es machte sehr viel Spaß, unser Programm ging gut über die Bühne und kam auch gut an. Trotz der vielen Arbeit merkte ich an diesem Tag wieder, das genau dies die Arbeit ist, die ich machen möchte.

Am Abend gab es dann für alle Fleischkäse im Brötchen. Die männlichen Freiwilligen und ich waren begeistert, die togoischen Schüler eher weniger… =D. Wir hatten einen sehr schönen Abend mit den Schülern und den anderen Freiwilligen.

Am Tag darauf, schaffte ich es dann endlich einmal schwimmen zu gehen. Gemeinsam mit Chiara besuchte ich die Dachterrasse eines Hotels, das direkt am Strandboulevard liegt. Es war echt toll, dort schwimmen zu gehen, fürs regelmäßige Besuchen, ist es aber zu teuer, sodass ich mich nach Alternativen umschauen muss. Am Abend besuchten wir dann gemeinsam mit Julien und seinem Cousin Tontonvi, sowie einem Freund von diesem, die Foire Internationale de Lomé (Internationale Messe). Dort wurden viele verschiedene Waren angepriesen, wodurch es keinen erkennbaren Unterschied zu Assigamé gab. Die Stimmung war aber sehr gut, es waren viele Besucher da und es herrschte ein bisschen eine Atmosphäre wie auf dem Volksfest.

Lomé ist eine tolle Stadt und ich fühle mich hier wirklich sehr wohl und mittlerweile eben auch zuhause. Die Zeit vergeht hier in Togo vergeht so schnell, dass ich mich zwischenzeitlich schon gefragt habe: „ Was nur noch 9 Monate hier?“

Wann immer man unterwegs ist, kann man etwas Neues entdecken. Wenn man nach dem Weg fragt, wird man meist gleich begleitet, fragt man wo man Wasser kaufen kann, lässt die gefragte Person sich das Geld dafür geben und geht selbst, um das Wasser zu kaufen,

Weitere Informationen zum Leben in Togo gibt es dann in anderen Berichten. Fotos zum Monat November findet ihr unter: http://www.ipernity.com/doc/261778/album/295941

Schaut auch mal auf die Seite www.projekt-weltbilder.de . Bei diesem Fotoprojekt machen neben mir auch die anderen Freiwilligen des VNB mit.

Genießt die Weihnachtsstimmung in Deutschland!

Ich denke an euch. Ganz viele Umarmungen!

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