Neues aus dem Knick von Afrika

Lange, lange war es schon geplant. Nun kommen die nächsten Rundmails auch in unseren Blog.

 

Rundmail 4, vom 04.Oktober 2012

Halli hallo,

hier kommen noch ein paar meiner persönlichen Eindrücke aus Kamerun zu euch nach Deutschland und in all die anderen Länder, wo ihr gerade seid 😀

Den Tag mit der Assemly in der Schule anzufangen ist wirklich schön, weil ich dann mit den Kindern in den Tag singen und tanzen kann. In den Deutschstuden in Klasse 5 und 6 schreiben die Schüler gerade sehr niedlich bemalte Antwortbriefe an die Partnergrundschule „Am Beerwinkel“ in Berlin. Das ist nicht ganz so einfach, weil sie erst seit Anfang dieses Schuljahres Deutsch lernen, aber ich möchte unbedingt, dass die Partnerschaft aufrecht erhalten wird. In der Klasse 4 lernen die Schüler die Jahreszeiten: Es war eine Mutter die hatte 4 Kinder. Den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter. Das Lied kennt ihr bestimmt alle 🙂 Mit meiner Umwelt AG kann ich hoffentlich sehr bald kleine Pflanzen und Baumsetzlinge großziehen. Zur Zeit probiere ich mein Glück selber im Garten aus: Ich habe 3 Baumsetzlinge in alte Dosen gepflanzt, ein paar Papayasamen und 3 Avocado Kerne keimen hoffentlich bald.

Neben der Schule passiert hier aber noch sehr viel:

Zum Beispiel hat mir Hanna vor ein paar Tagen draußen auf dem Rasen mit einer Papierschere die Haare geschnitten. Haarscheren wie wir sie kennen, konnten wir auf dem ganzen Markt nicht finden. Aber es ging auch so sehr gut =)

Leider hat es Hanna und mich dann doch noch gesundheitlich erwischt: Eine Grippe. Halsschmerzen. Husten. Kopfschmerzen. Ein bisschen Fieber. Eine halbe Woche lang lagen wir nebeneinander im Bett und haben seeehr leckeren Ingwer-Tee getrunken. Immerhin war es keine Malaria. Krank sein kann man sich wirklich sparen, finde ich. Untätig im Bett herumzuliegen ist echt furchtbar.

Am Donnerstag sind Hanna und ich zum EDS Office gelaufen. Plötzlich stand auf dem Sportplatz ein Kuhherde. Die Kühe finde ich total hübsch mit ihren langen Hörnern. Wir haben sie auch schon am Straßenrand gesehn. Diesmal war es aber echt komisch. Als hätte jemand schnips gemacht und die Schüler in Kühe verwandelt!

Gestern bin ich losgelaufen, um einzukaufen. Dieser Weg war so eine nette Erfahrung, dass ich es euch unbedingt erzählen möchte. In der Alaska Street fährt mir ein Auto fast auf den Fuß. Aaron, ein Nachbar, möchte nur mal hallo sagen 🙂 An der nächsten Ecke grüßt mich Greg aus seinem Auto mit einem netten Winken. Auf der Hauptstraße durch Kumba, der Buea Road, höre ich auf eimal meinen Namen. Auf der anderen Straßenseite fährt der eine Busfahrer von meiner Grundschule auf einem Okada, einem Taximotorrad, und macht mir mit einer Geste klar, dass er wissen möchte, wohin ich gehe. Die Okadas fahren aber so schnell, dass man nicht noch ein Gespräch mit einem Fußgänger halten kann. Also bleibt seine Frage unbeantwortet :S An zwei Ständen frage ich nach einer reifen Ananas und einer Papaya und lasse sie mir für den Rückweg beiseite legen. Der eigentliche Grund für meinen Einkaufstripp: Ein paar Joghurts an der Tankstelle einkaufen. Etwas besonderes für unser Treffen mit Katharina heute Abend! Auf dem Rückweg winkt mir ein kleiner Junge zu, der auf einer Bank unter einem Baum sitzt, der aussieht, wie ein großer Schirm. Ich setzte mich zu ihm und bekomme von seinem Opa, der neben ihm sitzt einen Keks geschenkt. Im Tausch schenke ich ihm ein Joghurt. Etwas verdattert schaut er mich an und scheint die Welt nicht mehr zu verstehen. Dann zeigt ihm sein Opa, wie er mit die Kekse in den Joghurt eintunken kann. Die Situation ist einfach total nett. Es ist ein bisschen so, als würden die Okadas und Autos vor uns auf der Straße in einer anderen Welt sein, wo die Zeit viel schneller vorbeigeht. Als ich mich dann wieder auf den Weg mache und beim Laufen fröhlich die Lieder von der Assambly vor mich hinsinge, höre ich schon wieder meinen Namen. Der andere Schulbusfahrer kommt auf einem Okada vorbei. Er nimmt mich ein kleines Stück mit. An dem Stand mit der reifen Ananas machen wir einen kurzen Halt, damit ich sie kaufen kann. An dem anderen Stand, mit der reifen riiiieeeesigen Papaya setzen sie mich ab. Noch öfter wollen sie dann doch nicht halten 😛 An einem kleinen Laden in unserer Alaska Street kaufe ich noch einen Kugelschreiber, um die Hefte der Schüler mit ein bisschen roter Farbe zu verzieren 😉 und höre schon wieder meinen Namen, von einer sehr bekannten Stimme. Hanna kommt gerade aus der Schule zurück, an der sie arbeitet. Also können wir gemeinsam die letzten Meter bis nach Hause laufen und uns zusammen an den kleinen Glücksmomenten erfreuen.

Und dann gibt es noch ein neues Projekt, was noch ein bisschen am wachsen ist: Hanna und ich wollen wenn möglich jeden Samstag im Waisenhaus Mah Di’s ein bisschen Zeit mit den Kindern verbringen. Dort leben 23 Kinder, von einem Monat bis 17 Jahren, zusammen mit ihrer Mutter, die mich persönlich echt beeindruckt hat. Hoffentlich bekommen wir das wirklich organisiert…

Meine 5.Prüfungskomponente im Abitur habe ich ja über die Schulpartnerschaft von der Martin-Buber-Oberschule in Berlin und dem St.Francis College hier in Kumba gehalten. Von dieser Partnerschaft gibt es jetzt eine tolle Nachricht: Nachdem nun schon zwei Mal Schüler aus Berlin hier in Kumba waren, hat es nun geklappt, dass eine Gruppe von 4 Schülern und 4 Lehren nach Berlin gefahren ist! Sie sind vor vielleicht 3 Wochen wiedergekommen, mit tollen Erfahrungen im Gepäck!!! Die Nachbesprechung mit ihnen hat echt Spaß gemacht, weil die Worte nur so aus ihnen herausgesprudelt sind. Mich hat vor allem berührt, wie sie von dem „Zwischenseminar“ mit Gisela, die mein Jahr hier organisiert hat, geredet haben. An der der Stelle noch mal ein ganz großer Dank an dich, Gisela! Sie haben dort zum Beispiel bewusst festgestellt, dass alle Menschen gleich sind. Eine andere prägende Erfahrung war, dass man in Deutschland für sein Geld arbeiten muss. Die Deutschen haben ihnen aber teilweise auch komische Fragen gestellt, zum Beispiel, ob sie eine Zahnbürste haben. Dieser hautnahe Kulturaustausch ist wirklich spannend.

Und so läuft das Leben hier mit seinen kleinen Tücken und schönen Momenten seinen Gang.

 

 

Rundmail 5, vom 09. November 2012

Hallo ihr alle,

nach der letzten Mail haben mir einige von euch geschrieben, dass sie mich ein bisschen beneiden und alles so idyllisch ist. Das Leben in Kamerun hat aber auch seine Tücken, so wie das Leben eines jedenn Menschen wahrscheinlich überall auf dieser Erde.

Es fing mit ein paar kleinen lästigen Dingen an. Zum Beispiel ging mein Ladekabel für den Laptop nicht mehr richtig und hier gibt es nun wirklich nicht an jeder Ecke einen Mediamarkt. Dann konnte ich auf einmal, aus unerklärlichen Gründen kein Geld mehr mit meiner Kreditkarte abheben. Unser festes Internet zu Hause hat total rumgesponnen und funktioniert jetzt gar nicht mehr. Zwischendurch gab es ein etwas größeres Chaos, weil unsere Gastfamilie dann doch wirklich ausgezogen ist. Einmal kamen wir nach Hause und unser Haus stand unter Wasser. Zu allem Überfluss musste Hanna dann auch noch vor zwei Wochen 2 Nächte im Krankenhaus verbringen.

Sooo, das war jetzt die negative Kurzfassung der Ereignisse, der letzten Wochen.

Wenn man aber etwas genauer hinschaut, ist alles halb so schlimm 🙂

Mein Ladekabel konnte ich ohne größere Probleme einfach reparieren lassen. Als ich in dem kleinen Laden ankam und mein Problem geschildert habe, war das Ladekabel innerhalb von wenigen Minuten auseinander genommen. Da war ich dann doch etwas irritiert, plötzlich alles in Einzelteilen zu sehen. Nach einer kleinen Korrektur geht es jetzt wirklich wieder sehr gut. Hier können die Menschen wirklich alles wieder zum Laufen bekommen. Das finde ich wirklich faszinierend.

Das Problem mit der Kreditkarte konnte ich mit einem einzigen Anruf in 5 Minuten mit der dkb klären. Anscheinend habe ich mir nur die Nutzungsbedingungen nicht so recht durchgelesen 😉

Das Internet ist jetzt noch die letzte Baustelle. Wir konnten auch mit mehrern Besuchen im Büro der Firma und großen Nervenverlusten leider nicht herausfinden, warum die Leitung auf einmal ein Problem hat. Den Monat davor hatten wir wirklich super gutes Internet. Jetzt sind wir noch mal neu am überlegen, wie wir das regeln. Angeblich soll ganz bald ein schneller Internetstick angeboten werden, also werden wir die Zeit bis dahin wohl überbrücken.

Und dann ist wirklich ein Wunder geschehen. Morgens um 7:00 am Sonntag vor ein paar Wochen hat mich Hanna geweckt: „Vera, sie ziehen aus!“ Ich wollte meinen Augen erst wirklich nicht trauen. Und dann ging alles wirklich ziemlich schnell. Plötzlich waren noch bestimmt 10 Männer zum Tragen da und dann haben wir alle zusammen angefasst und alles, was wir so finden konnten rübergetragen. Um 14:00 standen wir dann plötzlich in einem leeren Haus. Ein Bett mit einer Matratze haben sie uns dagelassen. Wir hatten plötzlich keinen Herd, keinen Kühlschrank, keinen Tisch, keine Stühle, keine Gabeln, keine Becher etc. mehr zu Hause. Nur unsere eingebauten Kleiderschränke waren bizarrer Weise noch voll. Das, was gerne hätte leer sein können, war das einzige, was voll war 🙂 Seitdem hat sich aber schon einiges geändert. Wir haben nicht als erstes, wie von einigen Kamerunern vorgeschlagen, einen Fernseher, sondern harte Matrazen gekauft. Wir haben jetzt 2 getrennte Betten, jede ein großes Zimmer mit Schreibtisch und Stuhl, mein Kleiderschrank ist seit gestern mit meinen eigenen Sachen gefüllt, in der Küche haben wir jetzt einen Kühlschrank und eine Kochplatte und im Wohnzimmer haben wir erstmal provisorisch einen Plastiktisch mit 3 Stühlen. Wir leben jetzt mit Pascaline, der Managerin von meiner Schule zusammen, die ich wirklich sehr gerne mag. Sie kann super lecker kochen und variiert dabei gerne. Gestern Abend hat sie mich zum Beispiel auch zu ihrem Chor mitgenommen, nachdem ich lange nicht mehr zu dem anderen gegangen bin, weil da oft die Leute einfach nicht gekommen sind. So langsam wird das hier alles immer gemütlicher. Pascaline möchte sogar einen kleinen Gemüsegarten mit mir im Garten anlegen 🙂

Tja. Das mit unserer Hausflutung war wirklich so eine Sache. Stellt euch einfach mal vor, ihr kommt morgens nach Hause (wir haben eine Nacht bei Katharina geschlafen) und ihr steht plötzlich knöcheltief im Wasser. Weinen, lachen, schreien? Ich war einfach nur sprachlos. Ich wusste nicht, was passiert ist. Während Greg, Hanna und Comfort das Wasser mit Tellern zur Wohnungstür rausgeschaufelt haben, stand ich mit einem Eimer und einem Lappen in meinem Zimmer und habe gewischt. Greg hat dann herausgefunden, dass wir wohl am Abend zuvor, als kein Wasser aus dem Wasserhahn lief, vergessen haben, den Hahn in der Küche wieder zu schließen. Im Waschbecken stand dann ungünstigerweise auch noch ein Teller und so ist dann, während wir nicht da waren, unser Haus geflutet worden. Leider standen unsere gesamten Sachen noch auf dem Fußboden, weil wir bis dahin keine freien Schränke und keine Tische hatten. Alle meine Bücher haben jetzt einen Wasserschaden. Ich kann wirklich von Glück sprechen, dass ich mein Tagebuch nicht mit Tinte geschrieben habe. Meine Kamera hat das Abenteuer gut in dem Hartschalenkoffer überstanden. Als dann der erste Schock überwunden war, war auch alles nur noch halb so schlimm. Es ist hier ja so heiß, dass alles schnell wieder trocknet. Eine Lehre für unser Leben haben Hanna und ich aber an diesem Tag wohl gelernt.

Nach einer etwas längeren Durchfallzeit und dann noch vermehrtem Übergeben ist Hanna vor 2 Wochen ins Krankenhaus gefahren. Als ich noch in der Schule war, bekam ich dann plötzlich einen Anruf von Hanna: „Vera, ich muss heute Nacht im Krankenhaus bleiben.“ Na halleluja. Also habe ich sie dann besucht, um ihr alle wichtigen Sachen vorbeizubringen und ihr etwas Gesellschaft zu leisten. Es war komisch, sie so alleine in einem Achterzimmer zu treffen. Da es eine Privatklinik ist, können es sich viele Leute nicht leisten, dorthin zu gehen. Unter anderem habe ich Hanna auch etwas zu Essen vorbeigebracht, weil die Patienten das Essen hier nicht „automatisch“ bekommen. Am Ende haben wir dann aber herausgefunden, dass es auf jeden Fall auch eine Kantine gibt, in der die Patienten essen können.

Dieser viele Stress ist nun vorrüber.

Letzte Woche war dann Tapetenwechsel angesagt. Ich durfte zusammen mit Hanna an einem Seminar von ihrer Organisation, dem EED, teilnehmen. Es ging um Jugend, weshalb nicht nur alle deutschen Freiwilligen eingeladen waren, sondern auch ein paar kamerunische Jugendliche. Im Großen und Ganzen war es interessant. Das Seminar hat in Bamenda stattgefunden, einer großen Stadt im Nordwesten Kameruns. Wir mussten mit den öffentlichen Bussen einen großen Umweg dorthin gefahren, weil die Abkürzungsstraße gerade viel zu schlecht ist. Dementsprechend haben wir dann bestimmt 8 Stunden gebraucht und haben ziemlich eng zu 5. auf einer Rückbank von einem kleinen Bus gesessen. In Bamenda sieht es landschaftlich ganz anders aus, als in Kumba. Abgesehen von den Häusern am Straßenrand sah es aus, als würden wir in den Harz fahren: Grüne Berge mit kleinen Wäldern, eine Kuhweide habe ich auch gesehen und hier und da sogar ein paar Kiefern. Das fand ich dann doch schon sehr merkwürdig. Alle Leute hier in Kumba haben uns extra vorgewarnt, dass es dort so sehr kalt sein soll. Tagsüber war es aber so warm wie hier in Kumba, nur morgens war es kälter und es war immer nebelig und wir konnten unseren Atem sehen 🙂

Ganz liebe Grüße aus Kamerun

 

 

Rundmail 6, vom 30. Dezember 2013

Hallo ihr Lieben,

seit Anfang November hab ich keine Rundmail mehr geschrieben. Oh man 🙂

Da muss ich euch jetzt aber alle mal ein bisschen aufs Laufende bringen.

Mit geht es gerade super gut. Seit dem 15. Dezember habe ich Weihnachtsferien. Und nach dem ich jetzt schon ein bisschen herumgereist bin, nehme ich mir gerade mal ein bisschen Zeit hier in Kumba, um vor mich hin zu tüdeln und meine ganzen Mails, die wie in einem großen Stau stehen, zu beantworten 🙂

Ich fange mal mit ein paar Worten zu meiner Arbeit an…

In der Schule lief alles so seinen Gang. Irgendwann hab ich angefangen, die Examen für das erste Drittel zu tippen. Und musste feststellen, dass es dabei ganz schön viele Probleme geben kann. 5 Tage lang hab ich jeden Tag ein neues Problem gehabt. Mein Laptop war nicht mit dem einen Drucker kompatibel, dann gab es einen Nachmittag Stromausfall, der nächste Laptop hatte kein eigenes Ladekabel, der Drucker hatte dann auch noch ein Problem mit der Patrone ….Man man man. Ich kann euch sagen: Ich hab 3 rote Kreuze in meinen Kalender gemacht und mir erstmal ein Mambo-Schokoriegel gekauft, als ich damit fertig war!

Die Zeit davor haben Hanna und ich versucht noch etwas für den Welt AIDS Tag am 1.Dezember auf die Beine zu stellen. Tatsächlich sind wir dann an 2 Tagen mit einer Fachkraft aus einem Krankenhaus und unserem Mentor durch einige Schulen in Kumba getourt und haben über AIDS gesprochen… und die mit viel liebe gebastelten AIDS Schleifen verteilt 🙂 Als letztes waren wir in einer Taub-Stummen-Schule. Für mich war das eine sehr bewegende Erfahrung. Dort habe ich gemerkt, wie glücklich ich sein kann, dass ich hören kann … vor allem, dass ich Musik wahrnehmen kann! Wir haben alle sehr viel zusammen gelacht, vor allem, als sie sich Zeichen für unsere Namen ausgedacht haben 😀 Es ist total faszinierend ihnen zuzusehen, wenn sie sich unterhalten und wenn man ungefähr weiß, worum es geht, dann versteht man erstaunlich viel.

Ich hatte kurz vor Weihnachten auch meine erste richtige Tiefphase. Die Arbeit hat mich nicht ausgelastet, ich hab zu wenig Sport gemacht, ich hatte noch mal eine Erkältung. Alles schien einfach so durchzuhängen. Das einzige, was mir wirklich geholfen hat, war etwas, was ich von Raika gelernt habe: Die kleinen schönen Dinge im Leben wertzuschätzen. Dann ging es mir schon viel besser und ich hatte wieder mehr Motivation.

Vielen Dank übrigens für all die lieben Weihnachtsgrüße!

Meine Weihnachten waren dieses Jahr doch wirklich sehr anders als sonst. Nachdem ich ja feststellen musste, dass die Kameruner keinen Advent kennen, der Schnee auch nicht so recht fallen wollte und ich nicht mal dazu gekommen bin, Plätzchen zu backen oder geschweige denn Weihnachsschmuck aufzuhängen, war ich nicht so wirklich in Weihnachtsstimmung. Auch Weihnachtsgeschenke einkaufen hat sich dieses Jahr deutlich in Grenzen gehalten. Hier in Kamerun gibt es den Brauch mit den Weihnachtsgeschenken nämlich nicht wirklich. Hier kommen die Familien oft in den villages zusammen und essen und trinken zusammen. Kurz vor den Ferien wurden Hanna und ich dann aber sehr kurzfristig, so ungefähr eine halbe Stunde vorher :), zu einer Weihnachtsfeier in St.Francis (der Schule, über die Luca und ich unsere 5. Pk gehalten haben) eingeladen. Und ja, als der Schülerchor vierstimmig Weihnachtslieder gesungen hat, kamen mir wirklich die Tränen. In dem Moment wurde mir sehr bewusst, wie mir die netten Chorproben mit euch fehlen. Der Weihnachtsbaum wurde feierlich mit 3 Lichterschlangen erleuchtet. Ich musste doch ein bisschen grinsen, bei dieser etwas kümmerlich aussehenden Kiefer. Ich hätte ihnen gerne eine andere aus dem Tannenparadies vorbeigeschickt, das ich dieses Jahr in der Weihnachtszeit doch sehr vermisst habe. (Ich hab die letzten Jahre im „Tannenparadies“ in Berlin geholfen, Weihnachtsbäume zu verkaufen)

An Heilig Abend bin ich dann ins Waisenhaus gefahren. Da sie dort gar nicht, auch nicht am 25.12, wie hier üblich, Weihnachten feiern, habe ich beschlossen einfach so wie in Deutschland am 24.12. eine kleine Bescherung zu machen. Jeff hat mit einer Weihnachtsmannmütze den Weihanchtsmann gespielt. Der Tag dort mit den Kindern, die ich nach und nach alle in mein Herz geschlossen habe, war einfach wunderschön. Wir sind Springseil gesprungen, mir wurden die Haare geflochten, wir haben jongliert und vieles mehr.

Abends war ich dann noch bei ein paar peacecorps, also amerikansichen Freiwilligen, eingeladen. Wir saßen bei 30°C einfach nett beisammen auf der Terrasse, haben Karten gespielt und ein Bierchen getrunken. Tja, jetzt beim Schreiben muss ich selbst ein bisschen grinsen. Ja und dann kam das schärfste. Als mich Ryan, der eine peacecorps nach Hause gebracht hat, wurden wir in unserer Straße angehalten: Vom Weihnachtsmann 😀 Er hat uns die Hand geschüttelt und frohe Weihnachten gewünscht. Noch im Bett hab ich gelacht! Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Heute ist alles zeitlich ein bisschen durcheinander, aber das sollte euch ja nicht weiter stören.

Ich hab euch noch gar nicht von meinen kleinen Reisetrips erzählt.

Am ersten Wochenende im Dezember gibt es jedes Jahr das Ngond´a Sawa Festival in Douala. Da wird das Heruafholen einer Nachricht aus dem Fluss Wouri in Douala gefeiert. Mit Booten, genannt pirogues, gibt es ein kleines Wettrennen. Danach wird die Nachricht aus dem Wasser übersetzt. Mir kam der kurze trip am Wochenende ganz recht, um mal ein bisschen aus Kumba rauszukommen.

Schon das Wochenende danach hat uns Katharina netterweise gleich mit zum nächsten Festival genommen. Diesmal in Foumban, im Nordwesten Kameruns. Es war die Feier zur 20 jährigen Amtszeit des Sultans. Mit ihrem Auto sind wir eine Abkürzungsstrecke gefahren, die in der Regenzeit kaum befahrbar ist. Jetzt langsam fangen auch die öffentlich Busse wieder an, die Strecke zu fahren: Sand- und Schotterpiste. Die Spurrillen sind teilweise echt so tief, das das Auto aufsetzen würde, wenn man dazwischen fährt. Aber wir sind ohne Probleme angekommen und konnten die vielen Farben, die sehr lustige Hutkultur (es gab vor allem Federhüte und gestricke Wollmützenmit so lustigen gestrickten Stacheln dran), die Tänze, die Musik und einfach das wilde Treiben mit so vielen verschiedenen Menschen genießen. Wir waren die ganze Zeit damit beschäftigt Menschen zu fotografieren, viele wollten wirklich, dass wir sie fotografieren… und wurden selber auch von vielen Kamerunern fotografiert. Am letzten Tag des Festivals wurde ein Sieg der Bamun, also des Volkes, gefeiert. Alle haben sich mit Blättern verkleidet. Alle wollten dazugehören und haben sich Hüte, Röcke, „Gürtel“ etc. aus Blättern gebastelt. Das sah teilweise echt scharf aus.

Anfang der Ferien hat es Hanna und mich noch mal in den Nordwesten, nach Bamenda getrieben. 8 Stunden in einem Bus durch die schöne Landschaft fahren, den Fahrtwind im Gesicht spüren, das große Gepäck auf dem Dach, eingeklemmt zwischen den anderen Leuten und immer versorgt durch die Menschen, die an kleinen Haltestellen Essen und Trinken zum Verkauf durchs Fenster reinreichen. Dort haben wir einen Wasserfall erkundet und haben noch mal einen Abstecher in das Dorf Bamessing gemacht. Dieses Dorf ist der schönste Ort, an dem ich hier bisher war. Da kann auch der Lake Barombi bei uns in Kumba nicht mithalten. Es gibt dort eine große Töpferwerkstatt und man kann wunderbar wandern gehen. Auf eigene Faust sind wir zu dritt in die Berge gewandert. 2 Stunden lang sind wir einen Berg der Nase nach hochgekraxelt, immer in die Richtung, die uns gezeigt wurde … auf der Suche nach dem Käse. Ja, richtig gelesen. Käse. Den haben wir nämlich hier eher selten und das war ein schönes Zeil für unsere Wanderung. Als wir dann dort oben auf dem Pass standen, bei einer grandiosen Aussicht, konnten wir das Dorf, indem wir den Käse finden sollten, aber beim besten Willen nicht sehen. Aber, ihr wisst ja, wer suchet … der findet. Und so waren wir dann sehr stolz, als wir dann endlich den Käse – wohl gemerkt richitge kleine Wagenräder – in unseren Händen halten konnten!

Hab ich euch eigentlich mal von Lola geschrieben? Ich glaube nicht. Ganz am Anfang hab ich euch geschrieben, dass wir hier Enten und Hühner im Garten herumlaufen haben. Die leben auch immer noch hier, obwohl Greg umgezogen ist. Wie auch immer. Die vermehren sich natürlich auch. Und einmal hat die Mutter eine kleine gelbe Ente nicht angenommen. Hanna und ich haben dann kurzer Hand beschlossen, sie bei uns aufzunehmen. Wir haben sie gefüttert, sie nachts bei uns im Haus in einem Pappkarton schlafen lassen und sind mit ihr spazieren gegangen. Das war echt nett. Leider ist sie noch als sie relativ klein war gestorben.

Ja, bei Entenküken blieb es dann aber nicht. Auf dem Church Center, wo Katharina arbeitet, lebte nämlich ein kleiner Affe. Die Familie, wo Willi gelebt hat, konnte nicht länger auf sie aufpassen. Willi und sie passt nicht zusammen? Tja, das ist das Problem, wenn jemand einen Namen bekommt, wenn das Geschlecht noch nicht feststeht … 🙂 Wir haben Willi also für eine Nacht mit zu Katharina nach Hause genommen und auf sie aufgepasst. Dieses kleine niedliche Ding, mit einem langen Schwanz und faszinierenden kleinen Händen hat uns dann gut auf Trapp gehalten. Am nächsten Tag hat Katharina sie dann nach Limbe in das Limbe Wild Life Center (LWC) gebracht. Da hab ich sie gerade vor 3 Tagen noch mal besucht. Sie ist gesund, isst viel und kommt bald zu den anderen jungen Affen einer ähnlichen Art. Sie kennen mich dort im LWC nun schon beim Namen und ich darf immer wenn ich möchte kommen. Das ist für mich echt ein riesiges Geschenk, dass sie da so offen sind und ich mich dort schon ein bisschen wie zu Hause fühlen kann.

Pascaline. Pascaline ist die Mangerin von unserer Schule und lebt zusammen mit Hanna und mir in dem Haus, dass nun langsam immer gemütlicher wird. Ich bin wirklich sehr froh, dass sie mit uns zusammen lebt. Ich verstehe mich echt gut mit ihr. Sie hat mir schon viele kamerunische Gerichte beigebracht zu kochen, zeigt mir Schleichwege hier in der Umgebung, hat mir neue Ecken vom Markt gezeigt, bringt mir seit neustem ein bisschen pidgin bei und vieles mehr.

Sooo und jetzt werde ich sehr müde. Mein Tages- und Nachtrhythmus ist hier nämlich auf Frühaufstehen eingestellt.

Ich schicke all denen, die gerade lieber drinnen mit einer warmen Tee sitzen viel Wärme.

Kommt alle gut ins neue Jahr 2013!

 

 

 

 

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