4. Quartalsbericht

H. L. Setlalentoa Secondary School

Die vierte Ausgabe des Schulmagazins „H. L. Journal“ wur­de pünktlich zu meiner Abfahrt fertiggestellt. Sie enthält wie alle anderen auch Texte der SchülerInnen, ein Deutsch-Vokabular, Witze und Rätsel, Fotos, Interviews, Artikel von Gastautoren und mir sowie seit der dritten Ausgabe auch eine Rangliste der besten SchülerInnen pro Jahrgang. Letz­teres ist ziemlich beliebt und steigert die Verkaufszahlen. Die Schule hat auch darüber nachgedacht, diese Zusam­menstellung der Prüfungsleistungen bei Elternabendenden zu präsentieren. Alle vier Schulzeitungen stehen nun auch im Internet unter der Adresse www.welten-wechsler.de auf dem Blog der VNB-Freiwilligen zum Herunterladen bereit.

In der dritten Ausgabe waren auch Anzeigen von Unterneh­men erschienen. Im Laufe der Zeit hatte ich diese wieder besucht und die Werbegebühr abgeholt. Diese wurde zu­sammen mit den Einnahmen durch den Verkauf der Zeitun­gen an meinem letzten Tag als Spende – oder als Ausgleich für die Strom, Papier, Arbeitszeit und teilweise auch Tinten­kosten – an die Schulleitung übergeben.

Von Zeit zu Zeit habe ich auch für den Schulleiter, LehrerIn­nen oder Schulpersonal Einladungen, Prüfungsaufgaben oder Lebensläufe abgetippt und ausgedruckt. Bei Problemen mit der Internetverbindung oder dem Scannen und Drucken konnte ich – für mich überraschend – meistens auch weiter­helfen. Diese Kenntnisse hatte ich mir mit der Zeit selbst an­eignen (müssen).

Eines Abends war meine Schule sogar in den nationalen Hauptabendnachrichten. Denn sie hatte sich bei einem Pro­jekt beworben, bei dem es Pilotschule für Internet in der Schule werden konnte. Als erste Lehrinstitution in der Pro­vinz Gauteng wurde sie mit einem öffentlichen, freien und kostenlosen WLAN-Netz ausgestattet, das auch noch auf der Straße vor der Schule zu empfangen ist.

Vorher hatte ich dort zwar auch schon einen Internet-Emp­fang, aber auch nur, weil ich das Kennwort für das Lehrer-Netz kannte. Nun war es für alle SchülerInnen und auch NachbarInnen möglich sich kostenlos über das Internet zu informieren, zu recherchieren oder zu kommunizieren. Dies ist sehr vorteilhaft, da die allermeisten Familien zu Hause keinen Internetanschluss haben. Deshalb wird oft teures Kartenguthaben für das Smartphone gekauft. Internet-Flatrates sind nur für bestimmte Smartphone-Marken erhältlich. Na­türlich gibt es Internet-Cafés und einige (Schnell-)Restaurants in der Stadt bieten auch WiFi an, aber diese Möglichkeiten sind entweder auf Dauer teuer oder zu weit weg für den alltäglichen Ge­brauch.

Außerdem erhielt die Schule über 40 Tablets von der Regierung kostenlos zur Verfügung gestellt und einen großen Bildschirm, der auch mit dem Internet verbunden werden kann. Nun können – so die Vision – die Schulbücher und Arbeitsaufgaben auf dem Tablet bearbeitet werden, was den Un­terricht spannender und damit effektiver machen soll. Ebenfalls werden so die Jugendlichen an Technik herangeführt. Denn einige Achtklässler haben, meiner Beobachtung nach, noch überhaupt keine Erfahrung mit dem Computer, während andere schon damit vertraut sind.

An jenem Tag wurde die auf Hochglanz polierte Schule also von einem Kamerateam besucht, das auch die SchülerInnen gefilmt hat. Am Vormittag gab es eine offizielle Einweihungsfeier, die schon in den Vortagen vorbereitet wurde. Leider war ich an dem Tag nicht in der Schule, aber mir wurde viel darüber erzählt.

Zwischendurch habe ich einen Zeitungsartikel über das kulinarische Südafrika geschrieben, der bis­her aber noch leider nicht veröffentlicht wurde.

Harvey Junior Education Private SchoolHarvey Schule

Die Mülltrennung, die ich angefangen hatte, hat sich als nicht so erfolgreich erwiesen. Es ist am Pa­pierkram mit der Firma „mpact“ gescheitert. Da irgendwelche Entscheidungs­träger im Urlaub waren, konnten Daten nicht weitergegeben werden und unsere Schule wurde nicht als Müllsammelstelle anerkannt. Da sich auch nach mehr­maliger Nachfrage kein Fortschritt erkennen ließ, habe ich es irgendwann ein­fach dabei belassen lassen.

Mein Unterrichtsstil ist mehr und mehr von Projekten abgekommen und hat sich – leider – mehr dem Frontalunterricht angenähert. Denn wenn ich etwas Schönes geplant hatte, sind wir nur halb so schnell wie gedacht voran gekommen oder es ist auf­grund von mangelnder Motivation nicht durchführbar und sehr anstrengend geworden. Generell galt, dass es in der ersten Stunde logischerweise noch einfacher war, zu unterrichten als in der halb­en Stunde vor der Pause und in den sechzig Minuten direkt danach, zumal ich immer an Freitagen an dieser Schule war.

Also hatte ich Unterrichtseinheiten über den Treibhauseffekt vorbereitet: Mit kindgerechten kurzen Videofilmen und einem Quiz dazu, versuchte ich meine SchülerInnen für das Thema zu interessie­ren. Meistens habe ich etwas an die Tafel geschrieben, was dann abgeschrieben wurde. Nach der dritten Tafelseite musste ich mir zwar meistens Beschwerden anhören, doch ein Unterrichtsgespräch war oft auch nicht so fruchtend. Ein Problem war ebenfalls, dass einige Kinder kein Schreibmaterial dabei hatten oder die Arbeit verweigert haben. Den anderen Lehrern fiel es wahrscheinlich leichter, da sie auch Noten geben und ihre Klausuren auch tatsächlich den Unterrichtsstoff abfragen, doch auch sie haben mit der gleichen lustlosen Arbeitseinstellung zu kämpfen.

Besonders schön ist es dann immer wieder, wenn man motivierten SchülerInnen begegnet, die Inter­esse mitbringen. Nach dem Unterricht sind die Jugendlichen meistens wie ausgewechselt und be­gegnen einem ganz anders. Mit meinen Kollegen habe ich mich gut verstanden und mit der Zeit fiel mir auch auf, dass ich mich an das Unterrichten gewöhnt hatte und sicherer wurde.

Da ich mich nicht an den vorgegebenen Lehrstoff gehalten habe, sondern das vermitteln wollte, was mir wichtig erschien, kann es natürlich sein, dass die Inhalte zu schwierig und komplex für meine SchülerInnen waren. Mit mehr Hintergrundwissen in der Pädagogik könnte ich bestimmt meinen Unterrichtsablauf verbessern. Insgesamt war es aber eine gute Erfahrung, zu lernen wie es sein kann, eigenverantwortlich zu unterrichten. Dieses wird mir bestimmt auch in meiner (beruflichen) Zukunft weiterhelfen, auch wenn ich bestimmt nicht Lehrerin an weiterführenden Schulen werden möchte.

Vor den Winterferien gab es natürlich eine Klausurenphase. Drei Wochen lange konnte ich also nicht unterrichten, bin aber trotzdem zur Schule gegangen und haben dann dort Berichte geschrie­ben oder an der Schulzeitung weitergearbeitet.

Drei Wochen vor meiner Abreise ist die gesamte Schule in den Nachbarstadtteil umgezogen, weil der Mietvertrag ausgelaufen war. Vorher war sie in einem ehemaligen Industriegebäude unterge­bracht, jetzt befindet sie sich in einem ersten Stock über einigen Läden und hat ebenfalls einen Hin­terhof. Das Gebäude ist insgesamt besser und hat jetzt sogar Türen in den Klassenräumen, was das Unterrichten erleichtert.

An einem Freitag habe ich also den ganzen Tag geholfen, Sachen zu schleppen, Bücher herumzutra­gen und Kleinkram in Kisten zu packen.

Ausflüge

An einem Mittwoch hatten Marie und ich mit Mitgliedern des Letsema-Centers einen Ausflug zum zweitgrößten buddhistischen Tempel auf der südlichen Hemisphäre gemacht. Nur einige Kilometer vor den Toren der Stadt waren einige Tempelanlagen auf einem großen Gelände mitsamt Herberge, Restaurant, Souvenir-Laden und Museum untergebracht. Es war interessant, einen Einblick in die buddhistische Tradition sowie die chinesische oder taiwanesische Lebenskultur zu erhalten.

Winterferien

Warzenschweine im Museum

Warzenschweine im Museum

Die dreiwöchigen Winterferien starteten für mich mit einer Reihe von kleineren Ausflügen. Da mir bewusst war, dass dies wahrscheinlich die letzte Möglichkeit war, mir Sehenswürdigkeiten in Preto­ria anzusehen, nutzte ich sie auch ausgiebig. So ging es ins Nationale Naturkun­demuseum, das auch eine temporäre Ausstellung über die 100 Gewinnerfotos des Wettbewerbes von National Geography World beherbergte.

Dann war ich noch im Botanischen Garten Pretorias, der auch sehr schön war. Er ist sozusagen das Pendant zu Kirstenbosch’s Garden in Kapstadt und viel­leicht noch ein bisschen besser. Dort habe ich mir auch das Herbarium (ein Ar­chiv für Pflanzen) zeigen lassen. Spontan haben mich einige Mitarbeiter durch das Gebäude geführt.

Am Mittwoch der ersten Ferienwoche war ich abends bei der Eröffnungsfeier einer Kunstausstel­lung, die in einem vornehmen Einkaufszentrum stattfand. Es ging dabei um Bilder, die zugunsten des Kampfes gegen Wilderei verkauft werden. Inklusive des Käsebuffets war es ein toller Abend.

Am nächsten Tag war ich mit Tshenolo und einiger ihrer Freundinnen in Marabstad. Dies ist ein sehr lebhaftes Stadtviertel, in dem man günstig einkaufen kann. Es ist voll von kleinen Läden, die ihrerseits vollgestopft sind. Am Nachmittag waren wir noch im Kino mit Marie und Nthabiseng. Als Dank für ihre Dienste als Freiwilligen-Begleiterin hatten wir Nthabiseng danach noch zum Pizza-Essen eingeladen.

Der Freitag war ein Wandertag. Mit der Truppe vom Vortag sind wir zum „Wonderboom“ gewandert. Nach diesem Baum ist sogar ein Stadtteil be­nannt. Die Jahrtausende alte Feige hat durch herunterhängende Zweige, die wieder wurzelten drei Ringe von Tochterbäumen erzeugt und ist dadurch riesig geworden. Der ursprüngliche Stamm ist jedoch schon abgestorben. Wir sind zu einem künstlichen Wasserfall, der von der Straße her echt er­scheint und zu einer verfallenen Burg auf der Bergspitze gelaufen.

Am Samstag habe ich dann eine Nachbarin in Ga-Rankuwa besucht.

Am Sonntag musste ich dann packen, da ich mit Marie nach Eastern Cape gefahren bin. Am frühen Nachmittag ging es mit dem Bus los nach Grahamstown. Dort haben wir für vier Tage das National Arts Festival besucht. Durch Zufall sind wir in einer Studenten-Residenz untergekommen. Den ganzen Tag lang konnte man sich Theater, Tanz, Kunstausstellungen, Musik oder Comedy ansehen.

Im Anschluss sind wir mit Bussen und Sammeltaxen weiter entlang der Garden Route in Richtung Kapstadt gefahren. Auf der Garden Route gibt es nicht besonders viele schöne Gärten sondern es regnet dort einfach das ganze Jahr lang genug, damit es immer grün bleibt. In Backpackern, also einfachen Unterkünften, haben wir übernachtet. So sind wir durch die Orte Port Elizabeth, Jeffrey’s Bay, Knysna George und Mossel Bay gekommen, von wo es dann wieder nach Hause ging.

Nach unserer Rückkehr begannen unsere letzten Wochen in unseren Projekten.

Simbabwe

Vor meiner Abreise bin ich jedoch noch mit Flatter für sechs Tage zu seiner Mutter nach Simbabwe gefahren. Nach einer langen Busfahrt und einem schnellen Visaantrag an der Grenze waren wir end­lich dort. Die Landschaft dort ist vielfältig und beeindruckend. Ich habe trockene Buschsavannen gesehen aber auch grüne Täler und Felsformationen. Das Leben in der Stadt scheint noch hektischer zu sein, aber die Straßen sind geräumiger. Der Gegensatz zwischen der modernen Stadt und dem ländlichen Leben war auffallend. Es gibt genauso wie in Südafrika Sammeltaxen und Obststände auf den Straßen. Obwohl Queru die drittgrößte Stadt in Simbabwe ist, kam mir das Stadtzentrum kleiner als das in Oldenburg vor. Die durch Hyperinflation unbrauchbar gewordenen Währung wur­de abgeschafft. Deswegen benutzt man heute anstelle des Simbabwe-Dollars den US-Dollar in Kombination mit dem Südafrikanischen Rand, was etwas verwirrend ist. Auf einer Toilette an der Grenze stand sogar auf einem Schild, dass man weder Zeitungspapier, noch Hygieneartikel oder Zimbabwe-Dollars herunterspülen sollte…

Wandern beim Wonderboom

Wandern beim Wonderboom

Babys

Kurz vor meiner Rückreise wurden noch zwei Babys geboren. Kgomotso, meine

Tshokologo (l.)

Tshokologo (l.)

erste Gastmutter, bekam einen Omphemetse und Maries ältere Gastschwester eine Lesedi. Beide Säuglinge sehen sehr niedlich aus. Für Lesedis Mutter Tshokologo gab es auch eine Baby-S­hower-Party. Dies ist ein fest, das vor der Geburt des ersten Kindes stattfin­det und bei dem die Mutter mit allerlei Nützlichem beschenkt wird.

Abschied

Mein Abschied begann schon eine Woche vor meiner eigentlichen Abreise mit der Farewell-Party (Abschieds-Feier) von Letsema. Bei einem Mitglied wurde im Garten gegrillt, zusammen gesessen und geredet. Es sogar einen Teil mit kleinen Reden zum Benennen der besten Momente und „Danke“ sagen.

In den Vortagen hatte ich schon meine Schrank vorsortiert und entschieden, welche meiner Habseligkeiten ich in Südafrika lassen und abgeben möchte.

Danach folgten wieder zwei Tage normaler Arbeit und Marie wurde zum Flughafen gebracht. Mir blieben aber noch sechs wertvolle Tage mehr. Meine Schulzeitung wurde fertiggestellt und in der Schule sowie zu Hause aufgeräumt. An meinem letzten Mittwoch habe ich einige Kuchen gebacken, die ich am folgenden Donnerstag verteilt habe: Ein letzter Besuch in mei­nem ersten südafrikanischen Zuhause, bei meinen Nachbarn und den Verwandten meiner Gastfami­lie. Es war schön, alle noch einmal zu sehen. Gegen Mittag kam ich dann bei der Schule an und meine Kollegen hatten für mich Kuchen und Getränke anlässlich einer kleinen Abschiedsfeier ge­kauft. Es war sehr schön, sie hatten sogar ein kleines Programm bestehend aus Reden, Liedern und Gebet vorbereitet.

Am Freitag folgten dann meine letzten Unterrichtsstunden bei der Harvey-Schule. Nachdem meine SchülerInnen erfuhren, dass ich gehen werde, fanden sie meinen Unterricht doch plötzlich ganz toll.

Am Abend folgte ein Abschiedsgrillen mit einigen Bekannten. Und um den Abschied noch schwie­riger zu machen, war ich mit einigen Freunden noch am Sonntagnachmittag in einem Einkaufszen­trum zum Bowlen.

Am Montag folgte dann nur noch das Packen und die Fahrt zum Flughafen.

Zum Glück war ich am Abend pünktlich da und habe auch kein Übergepäck gehabt. Doch natürlich sind einige Dinge in meinem Zimmer vergessen worden.

Die Reise an sich war ganz angenehm und verging wie im Flug, da ein Großteil der Zeit mit Schla­fen verbracht wurde. Nach dem Frühstück wurde auch schon fast ausgestiegen und eine Wartezeit in Amsterdam folgte, die ich mit einigen E-Mail verkürzte. Nach einer weiteren Stunde im Flugzeug wurde ich dann in Bremen von meinen Eltern abgeholt. Zu Hause warteten dann einige Freunde und Familie kam auch zu Besuch. Das war ein sehr schöner Empfang. Mit dem wieder Eingewöhnen in Deutschland hatte ich keine Schwierigkeiten und der erwartete „Kultur-Schock“ blieb auch aus. Schon nach einem Tag war fast alles wieder wie vor meiner Ausreise und ich fühlte mich wieder wie zu Hause und mein nächstes Projekt „Studium“ konnte in Angriff genommen werden.

Silke Bölts

Soweit von mir, viele Grüße von eurer Silke Bölts
Außerdem bedanke ich mich bei meinen Unterstützern, die mir diese Erlebnisse erst möglich gemacht haben:

Erwin-Röske-Stiftung

SchinkenAmmerländer Schinkendiele

Rats-ApothekeRats Apotheke

DamianusDamianus Apotheke

evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bad Zwischenahn in St. Johannes (Bad Zwischenahn), St. Michael (Dreibergen) und Katharina (Rostrup)

BehrensMöbelhaus Behrens GmbH

ThiemeThieme und Scheltwort GmbH

RostrupApotheke Rostrup

Verein der Freunde von Round Table e. V.

sowie meine Familie, Freunde und Bekannte

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