Quartalsbericht 3 Monate in Bangladesh

 

Nach der doch ziemlich turbulenten Anreise (Flug verpasst; Gepaeck 4 Tage verspaetet) bin ich jetzt schon seit drei Monaten in Bangladesh. In dieser Zeit habe ich erlebt was Kulturschock bedeutet, mich viel gelangweilt aber auch viel erlebt und viele neue Menschen kennengelernt.

Im folgenden will ich versuchen einen Ueberblick ueber meine Probleme, meine Erfahrungen und meine Situation im Allgemeinen zu geben. Hierzu werde ich versuchen einigermassen chronologisch vorzugehen.

Bei der Begruessung und Eingewoehnung in Rajshahi gab es erstmal einen kleinen Schock. Es ist erdrueckend heiss, das Zimmer ist dreckig, es gibt keinen Kuehlschrank, der Strom faellt dauernd aus, das Badezimmer besteht aus einem Eimer, einem Wasserhahn auf Kniehoehe und einem „Loch im Boden“/Hockklo. Desweiteren spricht in der gesamten Organisation lediglich unser Mentor englisch. Demgegenueber stand der herzliche Empfang mit Obstschale und Treffen der Belegschaft. Auch wurden wir dann schon bald von der Tochter des Chefes in die Stadt mitgenommen und rumgezeigt. Desweiteren wurde uns gesagt, dass wir zum Anfang die ersten 6 Wochen taeglich Bangla mit unserem Mentor lernen wuerden. Der Anfang sah also positiv aus und hat mir Hoffnung auf ein gelungenes Jahr gemacht, auch wenn ich in der ersten Woche auf Grund von Bauchschmwerzen etc. mehr oder minder aufnahmefaehig.

Recht schnell machten sich jedoch im folgenden die Auswirkungen der grossen Kommunikationsluecken vor dem Flug bemerkbar. Unser Bangla-Kurs stellte sich als 150 Vokabeln und halbstuendige Gespraeche ueber alles moegliche heraus. Niemand wusste so genau, warum wir hier waren und was wir hier machen wollen oder koennen. Der vorher geplante Einsatz in einer Grundschule bzw. bei verschiedenen Jugendgruppen stellte sich auf Grund unserer fehlnder Sprachkenntnisse als unrealistisch heraus. Gluecklicherweise haben sich ein paar Probleme jedoch auch schnell geloest. Das Badezimmer wurde mit Dusche und Waschbecken ausgeruestet und durch andere kleinere Anschaffungen bin ich mit dem Zimmer inzwischen zufrieden.

Unsere ersten Versuche um Arbeit oder einen Bangla-Lehrer zu bitten wurden von unserem Mentor mit dem Verweiss auf unsere Sprachschwierigkeiten und dem Hinweis, dass es sowas hier nicht gebe abgeblockt. Auch meine Frage, ob ich z.B. Fussball spielen kann, wurde mit dieser Begruendung verneint.
Selbst unser Angebot ein englisches handschriftlich vorgeschriebenes Project-Proposal abzutippen wurde nicht angenommen. Stattdessen wurde unter der fadenscheinigen Begruendung wir koennten die Handschrift nicht lesen, jemand von ausserhalb engagiert.

Erst durch andere Kollegen fanden wir etwas Beschaeftigung. So wurden wir zum Beispiel mehrmals ins „Field“ oder zu verschiedenen Meetings mitgenommen. Dabei haben wir zwar nicht wirklich verstanden worum es geht, aber es war eine Beschaeftigung und wir haben die Umgebung gesehen. Auch eine Moeglichkeit Fussball zu spielen hat sich so relativ schnell aufgetan. All dies hatte auch mit einem Telefonat von Lipi zutun, nachdem sich kurzzeitig was bewegt hat. So wurden wir auch dazu aufgefordet eine Website fuer Partner zu erstellen. Als wir einen Entwurf  jedoch fertig hatten, war das Interesse schon wieder erloschen.
Diese Phase, wo wir manchmal mitgenommen  wurden manchmal nicht hat sich bis Ende Oktober hingezogen. Sie war durch grosse Langeweile gekennzeichnet und auch Versuche die Sprache alleine zu lernen blieben aufgrund von Materialmangel fruchtlos. Hierbei muss man jedoch auch sagen, dass meine Bemuehungen dies zu aendern im Oktober wegen einer grippeartigen Erkrankung nicht sehr ausgepraegt war.

Ende Oktober haben wir Sharaf getroffen und mit 2 Kollegen von Partner ueber unsere Situation gesprochen. Daraufhin wurde vieles angegangen. Es wurde ein Bangla-Lehrer organisiert (eigentlich eher 3 nur fuer uns beide) und auch das Suchen nach einer Arbeitsstelle fuer uns wurde wiederaufgenommen. So wurde zum Beispiel auch bei Schulen in der Umgebung nachgefragt, ob wir zum Beispiel dort Computer, Englisch oder Sportunterricht geben koennte. Wobei wir auf diese Anfragen noch keine Antwort erhalten haben.

Ausserhalb der Organisation war es sehr schwer Kontakt zu finden, da wir ja so ziehmlich dort wohnen, „arbeiten“ und leben und sich unsere Unterkunft auch ungefaehr eine halbe bis dreiviertel Stunde Fahrtzeit von Rajshahi entfernt befindet. Erst durch das Fussballspielen habe ich ein bisschen Anschluss gefunden, wobei sich auch dies wegen der Sprachbarriere als schwierig erwies.

Abgesehen von dem Arbeits/Sprachproblem geht es uns soweit ganz gut. Die Leute in der Organisation sind so gut wie alle sehr gastfreundlich und nett. Insgesamt sind Bangladesher ausgesprochen interessiert an uns, wie werden immer sehr zuvorkommend behandelt, Leute sprechen uns auf offener Sprache an, um sich mit uns zu unterhalten, und wir werden oefter eingeladen. Dies schliesst jedoch, zusaetzlich zu Skurilitaeten wie Autogrammwuenschen oder Zeitungsartikeln, leider auch ein, dass wir konstant angestart werden und Leute ungefragt Fotos von uns machen. Wobei es doch erstaunlich ist, wie schnell man sich an diese negativen Punkte gewoehnt und man es ausblendet bzw. groesstenteils ignoriert.

Auch das Anfangs noch sehr heisse Wetter mit hoher Luftfeuchtigkeit ist vorbei gegangen. Jetzt geniessen wir im Winter tagsueber angeneme Temperaturen um die 25 Grad. Diese fallen nachts jedoch auf fuer bengalische Verhaeltnisse sehr kalte Temperaturen von  unter 10 Grad, was dann, wegen Warmwassermangel, die morgendliche Dusche sehr kurz ausfallen laesst.

Insgesamt denke ich, dass es sehr grosse Kommunikationsschwierigkeiten zwischen allen Seiten gegeben hat und so niemand wirklich den Durchblick hatte. Dies hat den Anfang sehr schwer gemacht und viel Kraft gekostet. Ich sehe aber auch die Chance, dass sich dieses Jahr noch in eine sehr interessante Erfahrung in einem einzigartigen Land entwickeln kann.

Die durchwachsene Rechtschreibung erklaert sich dadurch, dass mein Netbook kaputt gegangen ist. Zwar habe ich es geschafft einen alten kaputten Computer zu reparieren, der mir jetzt zur Verfuegung steht, jedoch hat dieser nur eine bengalische Tastatur.

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Ein Kommentar zu “Quartalsbericht 3 Monate in Bangladesh
  1. Laura Averes sagt:

    Überschriften dieb! 😀